Interview: Oliver Hirschbiegel ist in Großbritannien wegen seines Lady-Di-Films „Diana“ umstritten

„Ich habe lieber viele Feinde“

Immer in der Öffentlichkeit: Prinzessin Diana (Naomi Watts) war umschwärmt. Foto: Concorde

Ein deutscher Regisseur dreht einen Film über die britischen Prinzessin Diana in ihren letzten Lebensjahren – damals die berühmteste Frau der Welt. Für „Diana“ über die große Liebe der scheuen Ikone zu einem pakistanischen Arzt wurde Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) vom britischen Publikum stark angefeindet.

Was macht Prinzessin Diana zur interessanten Filmfigur?

Oliver Hirschbiegel: Je mehr ich mich in die Recherche vergraben habe, desto komplexer wurde die Figur. Diana ist ein Phänomen und hatte eine enorme Wirkung auf die Weltöffentlichkeit. Selbst in der islamischen Welt wurde diese Frau verehrt. Sie hat die Qualität von Filmstars wie Greta Garbo oder Marlene Dietrich. Gleichzeitig trug sie sehr viel Liebe in sich und folgte mehr ihren untrüglichen Instinkten als einer rationalen Strategie.

Wodurch wurde Diana zu einer übergroßen Popikone?

Hirschbiegel: Diana hatte ein gutes Gespür für das Bild, das sie in der Öffentlichkeit präsentierte. Es gibt kein schlechtes Foto von Diana. Zugleich hat sie eine emotionale Berührbarkeit an den Tag gelegt. Wenn man sieht, wie sie mit Menschen auf der Straße oder Patienten im Hospital umgeht - das ist keine PR-Show, sondern ein direktes, emotionales Interesse. Dass ein Mitglied des Könighauses auf diese Weise berührbar war, kam in Großbritannien einer Revolution gleich.

Dauernd im Licht der Öffentlichkeit zu stehen - was macht das mit einem Menschen?

Hirschbiegel: Je mehr man in der Öffentlichkeit steht, umso mehr Paranoia stellt sich ein, weil man nicht mehr weiß, wem man vertrauen kann. In einer solchen Situation sind die einzige Rettung Freunde, die aus der Zeit stammen, bevor man berühmt wurde. Aber das ist im Fall von Diana fast nicht möglich, weil sie seit ihrem 18. Lebensjahr mit dem britischen Königshaus verbunden ist. Es gibt viele Aspekte, die auf totale Paranoia verweisen.

Ihr Film konzentriert sich auf Dianas letzte Lebensjahre. Warum haben Sie diesen Lebensabschnitt gewählt?

Hirschbiegel: In ihren letzten Lebensjahren fand Diana die Liebe, die sie immer gesucht hat. Diese Liebe konnte nicht funktionieren, weil der Mann, den sie liebte, keine Öffentlichkeit wollte und sie nun einmal die berühmteste Frau der Welt war. Darin steckt eine Liebestragödie griechischen Ausmaßes. Aber über diese Liebe hat sich Diana auch neu erfunden. Sie entwickelte einen neuen Stil, trug Haar und Röcke kürzer. Sie wurde zu einer coolen Ikone. Gleichzeitig erfand sie eine Art von humanitärem Engagement, wie es heute Brad Pitt und Angelina Jolie betreiben, indem sie die eigene Berühmtheit für politische Zwecke nutzte. Die Kampagne gegen Landminen wurde von ihr in die Öffentlichkeit getragen.

Die Liebe zwischen Diana und Hasnat Khan spielte sich im Verborgenen ab. Wie tragfähig ist die Faktenlage der Liebesgeschichte, die Sie in Ihrem Film erzählen?

Hirschbiegel: Wir wissen, wie das Apartment aussah, in dem sich die beiden getroffen haben, und wie sich diese Meetings technisch abgespielt haben. Aber was die beiden geredet und getan haben, das ist Interpretation. Unsere Hauptquellen waren die Berichte von Freunden und das gut recherchierte Buch von Kate Snell, die die Familie mehrfach getroffen hat.

Nach der Premiere in London ist die britische Presse über Ihren Film hergefallen. Hat Sie das getroffen?

Hirschbiegel: Wenn man Filme macht, gibt es keine Garantie, dass man dafür geliebt wird. Für „Der Untergang“ hat man mich in Deutschland auch nicht geliebt. Das ist Teil des Spiels. Und ich habe mit so einem Film lieber viele Feinde und damit viel Ehre, als von der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen zu werden.

Hat Sie die Vehemenz der Reaktion überrascht?

Hirschbiegel: Die Briten haben das Thema Diana nicht aufgearbeitet. Da gibt es einen kollektiven Schuldkomplex und ich war überrascht, wie sehr der noch nach all diesen Jahren präsent ist. Mit der direkten, emotionalen Adressierung, wie sie unser Film vielleicht auch auf eine sehr deutsche Weise vertritt, kommt die britische Öffentlichkeit nicht klar. Es wird nicht einmal wahrgenommen, dass dieselbe Presse, die damals derart bösartig mit Diana umgegangen ist, jetzt genauso über den Film herfällt. Für mich ist das ein Freud’scher Fall - und wenn man so etwas als Filmemacher auslöst, ist das ja nicht das Schlechteste.

Von Martin Schwickert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.