"Ich hatte ein Brett vor dem Kopf": Musiker Flo Mega über seinen Burnout

Vor drei Jahren war der Musiker Flo Mega auf dem besten Weg nach oben, doch dann erst einmal ganz unten: Nach seinem zweiten Platz bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest 2011 litt der Bremer unter einem Burnout.

Darüber singt der 34-Jährige auch auf seinem zweiten Album „Mann über Bord“. Mit der Berliner Band The Ruffcats liefert er feinsten Soul und Blues. Der Bass brummt, die Bläser funkeln, und Flo Mega, der am 27. Februar im Kasseler Schlachthof gastiert, singt lebensbejahende Zeilen wie: „Hinter dem Burnout liegt das Paradies / Ich habe es gesehen, es ist schöner als Paris.“

Vor zwei Jahren haben Sie den Durchbruch geschafft. Wenig später ging es Ihnen aber gar nicht gut. Ist Erfolg manchmal schädlich?

Flo Mega: Klar, Erfolg hat nicht nur gute Seiten. Von so einem Erfolg, wie ich ihn mit dem letzten Album hatte, träumen viele. Aber ich hatte auch schlecht besuchte Konzerte. Auf Dauer war meine Soulsache nicht so der Bringer, wie sie am Anfang gehypt wurde. Mein Stil ist nach wie vor eine Nische. Deshalb muss man lernen, dass Erfolg immer nur eine Momentaufnahme ist.

Als Sie plötzlich bekannt waren, bekamen Sie einen Burnout.

Flo Mega: Bei mir kam viel zusammen, was mir die Beine weggehauen hat. Zum einen die ungewohnte Prominenz. Es ist anders, wenn einen die Menschen auf der Straße ansprechen und Fotos machen wollen. Gleichzeitig wollte ich extrem gemocht werden und habe nicht den Zuspruch bekommen. Zudem habe ich viel gefeiert und Alkohol getrunken. Ich habe mich betäubt und war auf dem besten Weg, ein Junkie zu werden. Dazu kam eine Trennung. Und schließlich musste ich erst warm werden mit dem Mainstream-Geschäft.

Ist das Business wirklich so schlimm?

Flo Mega: Es ist so, wie man es sich vorstellt. Man wird viel gelobt, aber auch viel kritisiert. Es gibt Manipulationsversuche, und es wird viel gelabert. Die Künstlerseele hungert teilweise. Der Druck ist enorm. Es war keine Zeit für Streicheleinheiten. Irgendwann habe ich mich in eine Klinik begeben.

Woran haben Sie gemerkt, dass Sie professionelle Hilfe brauchen?

Flo Mega: Mir war ständig schwindlig, ich hatte Sprachschwierigkeiten und konnte mich nicht konzentrieren. Ich hatte ein Hämmern in den Ohren und eine komplette Abneigung gegen Lautstärke.

Das ist schlecht für einen Musiker. Wie geht es Ihnen jetzt?

Flo Mega: Gut, ich bin schon eine ganze Zeit ohne Medikamente. Und ich werde Vater. Im Moment bin ich ein bisschen müde, weil ich viele Interviews gebe und von meinem Inneren erzähle.

Wie viel Überwindung kostet es, darüber zu reden und tolle Songs zu schreiben wie die Single „Hinter dem Burnout“?

Flo Mega: Wenn ich allein bin, denke ich manchmal: „Scheiße, was hast du da eigentlich losgetreten?“ Aber was habe ich zu verlieren? Ich bin kein Plastik-Act, sondern ein Künstler mit Seele. Das erzähle ich eben auch. Wenn ich Songs schreibe, sauge ich mir nichts aus den Fingern. Das sind alles Sachen, die ich erlebt haben muss. Aber ich will den Menschen nicht meine Probleme aufdrängen. Auf dem Album geht es darum, loszulassen und sich frei zu machen.

Dazu mussten Sie aber erst noch eine Schreibblockade überwinden.

Flo Mega: Die Hälfte des Albums hatte ich schon vorher geschrieben. Die Schreibblockade ist ein typisches Symptom beim Burnout. Ich habe mich gefühlt, als hätte ich ein Brett vor dem Kopf. Man versteht die Welt nicht mehr. Viele Menschen bringen sich in so einer Situation auch um.

Das Cover zeigt Sie als Kapitän am Steuerrad. Wie viel Angst haben Sie, dass Sie noch mal vom Kurs abkommen?

Flo Mega: Wie jeder andere Mensch habe auch ich Angst, Sachen nicht standhalten zu können. Aber wenn man den Alkohol weglässt, ist das schon mal ein großes Plus. Ein klarer Kopf ist Gold wert.

Flo Mega: Mann über Bord (Four Music / Sony).

Wertung: !!!!:

Flo Mega live: 27. Februar, Schlachthof Kassel, Mombachstraße 10-12. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204. Am 27. Februar ist Flo Mega am Nachmittag auch bei Radio HNA zu Gast.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.