Schlagersängerin Andrea Berg über enttäuschte Liebesträume, Strapse und Tränen hinter der Bühne

„Ich bin jetzt im Paradies“

So sieht Lebensfreude aus: Andrea Berg in Arbeitskleidung auf der Bühne. Foto: Picture-Alliance

Andrea Berg ist der Gipfel des deutschen Schlagers. Mit ihrem Best-of-Album stand die Sängerin länger in den deutschen Charts als Pink Floyd und die Beatles. Auch ihre im vergangenen Jahr erschienene CD „Zwischen Himmel & Erde“ verkaufte sich überirdisch. Wir sprachen mit der 44-Jährigen vor ihrem Auftritt am 6. März in der Kasseler Eissporthalle.

Hallo Frau Berg, waren Sie zuletzt mal in der Apotheke?

Andrea Berg: Ja, ich habe mir Vitamine zur Prophylaxe gekauft - damit ich singen kann, auch wenn es kalt ist. Bislang habe ich Glück gehabt und bin gut durch den kalten Winter gekommen. Wieso fragen Sie?

Ihr Produzent Eugen Römer sagt: „Wer einmal in der Woche Andrea Berg hört, der muss nicht mehr in die Apotheke und Pillen kaufen.“ Hat er Recht?

Berg: Ich denke schon. Man sieht es nach Konzerten in den Augen der Fans. Die Leute sind verzaubert und ein bisschen leichtfüßig. Viele kommen zu mir, lassen sich Autogramme geben und sagen: „Das war der schönste Abend seit Langem.“ Da kommen tiefe Emotionen hoch. Meine Musik hat etwas Tröstliches für die Seele.

In Ihren Liedern geht es immer wieder um Enttäuschungen der Liebe. Sehen Sie sich auch als Ratgeber für Ihre Fans?

Berg: Die Menschen, die mich länger beobachten, wissen, dass ich nicht in einer Seifenblase lebe. Auch ich hatte Schmerzen wegen der Liebe. Das kompensiere ich mit der Musik. Wenn ich Sätze singe wie „Du hast mich tausendmal verletzt“, dann ist das für viele ein Signal der Hoffnung. Sie sehen, dass ich es geschafft habe. Ich bin glücklich und jetzt im Paradies angekommen.

Sie treten gern in Minirock und Strapsen auf. Welchen Anteil hat Ihr Outfit am Erfolg?

Berg: Das Auge isst mit. Minirock und Strapse sind für mich Ausdruck von Lebensfreude. Wenn ich mir Gedanken über mein Aussehen mache, ist das auch eine Wertschätzung gegenüber meinem Publikum. Meine Fans wären enttäuscht, wenn ich im Hosenanzug auftreten würde.

Sie sind dieses Jahr erneut für den „Echo“ nominiert. Werden Sie am 4. März in Berlin sein?

Berg: Ja.

Das ist nicht selbstverständlich. Vor drei Jahren haben Sie bei der „Echo“-Verleihung hinter der Bühne geweint, weil RTL lieber Werbung zeigte als Ihren Auftritt.

Berg: Mittlerweile bin ich darüber hinweg. RTL hat sich bei mir entschuldigt. Damals war ich traurig wegen meiner Fans, die drei Stunden auf mich gewartet haben, und dann sagt jemand im Fernsehen: „Übrigens, Andrea Berg hat auch einen ,Echo’ bekommen.“ Das fand ich bekloppt. RTL hat sich damit rausgeredet, dass der Mann am Schneidetisch meinen Auftritt vergessen hatte. Sollte ich diesmal gewinnen, werde ich vielleicht etwas sagen wie „Ihr schneidet mich ja eh raus“. Andererseits ist es das auch nicht wert.

Wie kann es sein, dass ein Fernsehsender die erfolgreichste deutsche Sängerin einfach rausschneidet?

Berg: Beim „Echo“ werden die unterschiedlichsten Formate gezeigt: Rock, Pop, Alternative. Da gibt es jede Menge Zuschauer, die mit Schlager nichts anfangen können. Vielleicht hat der Typ, der am Schneidetisch saß, jede Menge Tattoos und hört Heavy Metal. Aber warum soll ich mich aufregen? Ich habe mehr als zehn Millionen Platten verkauft.

Trotzdem haben Sie Ihrer elfjährigen Tochter von einer Karriere im Showgeschäft abgeraten, weil man da übermenschliche Kräfte brauche.

Berg: Selbstverständlich kann sie machen, was sie will. Mein Papa hat aber einst zu mir gesagt: „Erst wird ein ordentlicher Beruf gelernt.“ Das ist ein sehr weiser Ratschlag. Durch meine Erfahrungen als Krankenschwester konnte ich das Haifischbecken Show-Branche mit einer gewissen Gelassenheit betreten. Alles was ich in diesem Geschäft erlebe, ist Schall und Rauch und hat nichts mit dem Leben zu tun.

In Kleinaspach bei Stuttgart führen Sie mit Ihrem Mann, dem Sport-Manager Uli Ferber, ein Hotel. Nebenbei kümmern Sie sich noch um 50 Tiere auf Ihrem Bauernhof. Wie geht das?

Berg: Das geht nur, weil ich mein Leben genieße. Ich bin sehr dosiert unterwegs. Wenn ich zuhause bin, gehe ich zu den Spielen des VfB Stuttgart, und im Hotel kümmere ich mich um die Menschen, wie ich es auch auf der Bühne tue. Viele Gäste erwarten nicht, dass ich es bin, die im Dirndl an Ihren Tisch kommt. Manche fragen: „Sind Sie die Schwester von Andrea Berg?“ Wenn ich Ihnen erzähle, dass ich es wirklich bin, fällt ihnen das Besteck aus der Hand.

Sie geben nur ungern Interviews. War es jetzt so schlimm?

Berg: Nein, es war sehr angenehm. Mich stört die Umrührerei des Privatlebens, wie es die bunten Blättchen betreiben. Ich habe nicht so ein dickes Fell. Wenn ich lese, dass Andrea Berg ein „Pin-up-Girl für Riester-Rentner“ sei, ärgert mich das. So etwas verunglimpft meine Fans.

Andrea Berg: 6. März, 20 Uhr, Eissporthalle Kassel. Tickets unter 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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