Der New Yorker Sänger Adam Green über traurige Lieder, zu viel Alkohol und das Ende seiner Ehe

„Ich bin keine Wolldecke“

Der US-Sänger und Songschreiber Adam Green war fünf Jahre lang glücklich und liiert. Nun ist er weder das eine noch das andere und hat über den neuen Zustand ein trauriges wie aufrichtiges Album namens „Minor Love“ gemacht. Wir sprachen mit dem 28 Jahre alten New Yorker in Hamburg.

Adam, Sie überraschen mit einem neuen Haarschnitt.

Adam Green: Richtig, die Matte ist ab. Der Herr Green trägt seine Haare nun kurz und pflegeleicht. Der Kopf wird viel schneller trocken und fettet nicht so schnell.

Wenn Frauen die Frisur so radikal verändern, steckt meistens eine Trennung dahinter.

Green: Bei mir auch. Ich habe mich von meiner Frau scheiden lassen. Oder: Sie hat sich von mir scheiden lassen.

Wie schade. Dabei hatten Sie die Fotografin und Musikerin Loribeth Capella doch erst 2008 geheiratet. Woran lag es?

Green: Loribeth warf mir vor, unter unheilbaren sozialen Phobien zu leiden. Die Tatsache, dass ich ständig versuchte, diese Phobien durch Alkohol zu kurieren, mag auch eine Rolle im Scheitern meiner Beziehung gespielt haben.

Was für Phobien meinte sie?

Green: Ich fürchte, sie hat mich für schizophren gehalten. Am Ende konnte sie keine meiner beiden Persönlichkeiten mehr ertragen.

Welche Persönlichkeiten sind das?

Green: Es gibt den Sauf-Adam und den Nüchtern-Adam. Grundsätzlich gilt: Ich habe Angst vor Menschen. Wenn ich nicht angetrunken bin, traue ich mich deshalb weder auf die Bühne noch überhaupt unter Leute. Die Menschen, die mich aus dem Nachtleben kennen, die kennen mich praktisch nur besoffen. Allerdings ist mir der Sauf-Adam niemals peinlich, ich mag diese Seite von mir, deshalb liegt mir auch nichts daran, ihn abzuschaffen.

Ihre Frau kennt aber auch den Nüchtern-Adam.

Green: Ja. Aber den hielt sie erst recht nicht mehr aus. Ich sei ein sarkastischer Möchtegern-Intellektueller, der weder fähig noch willens sei, romantische Liebesgefühle zu entwickeln und zuzulassen. Sie sagte, es sei nie warm oder kuschelig mit mir. Aber ich bin keine Wolldecke und auch kein Hund.

Hatte Ihre Ex-Frau Recht?

Green: Naja. Meine Gefühle mögen klein sein und verschüttet liegen unter einem Haufen Zynismus - aber sie sind vorhanden. Ich bin kein Mann, der Frauen gut umgarnen oder ihnen schmeicheln kann.

Auch Ihre Lieder waren sehr sarkastisch. Auf Ihrem neuen Album schlagen Sie nun einen anderen Ton an. Die Lieder klingen ruhig, traurig, weniger verspielt und kaum noch böse.

Green: „Minor Love“ ist mit großem Abstand das ungroßmäuligste, nachdenklichste und persönlichste Album, das ich jemals veröffentlicht habe. Die Songs sind richtig zerknirscht. Ich habe sie geschrieben, um mich selbst zu beruhigen. Vielleicht bin ich nächstes Jahr wieder lustig, aber diesmal ging das nicht. Fröhliche Lieder kann ich nur schreiben, wenn es mir gut geht.

Auch stilistisch ist „Minor Love“ eine Neuorientierung.

Green: Auf jeden Fall. Ich will mich ja mit meiner Musik nicht langweilen. Und in den vergangenen Jahren habe ich sehr viel cabaretartige und jazzige Musik gemacht. Deshalb fand ich den Gedanken, ein folkiges und eher klassisches Singer/Songwriteralbum aufzunehmen, sehr reizvoll.

Wären Sie inzwischen bereit für eine neue Beziehung?

Green: Nein, ich bin voll und ganz Single und möchte das auch noch eine Weile bleiben. Ich habe mich daran gewöhnt, allein zu sein.

Und wie verbringen Sie den heutigen Abend in Hamburg?

Green: Ich habe mich im besten Restaurant der Welt verabredet: Im Burger King auf der Reeperbahn. Dort gibt es coole Leute, Bier und Prostituierte. Es ist das Paradies.

Adam Green: Minor Love (Rough Trade / Beggars).

Von Steffen Rüth

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