Interview: Daniel Craig über den Film „Verblendung“, das skandinavische Licht und Filme für Erwachsene

„Ich konnte unmöglich ablehnen“

Daniel Craig spielt in David Finchers Verfilmung des Stieg-Larsson-Bestsellers „Verblendung“ die Hauptfigur des Journalisten Mikael Blomkvist, der einer Mordserie auf die Spur kommt. Diese Woche kommt der Film in die Kinos.

Stieg Larssons „Verblendung“ ist ein internationaler Bestseller. 62 Millionen Exemplare der „Millennium“-Trilogie wurden weltweit verkauft. Wann sind Sie zum ersten Mal auf den Roman gestoßen?

Daniel Craig: Wenn so ein Bestseller herauskommt und alle sagen „Das musst du unbedingt lesen“, reagiere ich meistens ablehnend, weil ich ein Buch für mich selbst entdecken will. Aber dem Roman von Stieg Larsson konnte man damals einfach nicht entkommen. Auf dem Bahnhof oder am Flughafen sah man immer Leute, die ihre Nase in dieses Buch steckten. Ich habe es mir dann im Urlaub ausgeborgt und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Es ist einfach großartig geschrieben. Die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander haben mich sehr fasziniert. Vor allem natürlich Lisbeth Salander, die missbraucht und von Männern erniedrigt wurde, die keinem mehr traut und es dennoch schafft, ihre Menschlichkeit zu bewahren.

Haben Sie damals schon beim Lesen gedacht, dass die Rolle des Journalisten Mikael Blomkvist genau das Richtige für Sie wäre?

Craig: Da bin ich wie jeder Schauspieler. Wenn ich eine gute Figur in einem Buch entdecke, möchte ich sie auch spielen. Aber ich habe jetzt nicht meinen Agenten darauf angesetzt. Das hat sich einfach so ergeben.

Sind Sie in letzter Zeit einer Romanfigur begegnet, die Sie gern spielen würden?

Craig: Zurzeit lese ich eher Sachbücher. Zuletzt eines über Russland unter Putin…

Und jetzt möchten Sie unbedingt Wladimir Putin spielen?

Craig: Bloß nicht. Da würde ich zu sehr um mein Leben fürchten. Schließlich möchte ich nicht radioaktiv verstrahlt in einem Bleisarg enden.

Wie wichtig war es für Sie, dass „Verblendung“ in der US-Version auch wirklich in Schweden gedreht wird?

Craig: Es gab Gerüchte, dass die Geschichte in die USA angesiedelt werden sollte. Das hätte ich nicht gemacht und David Fincher sicherlich auch nicht. Dies ist eine skandinavische Geschichte. Meine Figur raucht, trinkt, geht mit einer Frau nach der anderen ins Bett - er tut all die Dinge, die in den USA als inakzeptabel gelten. Stockholm und die nordschwedische Landschaft bieten den perfekten Hintergrund für diese Geschichte. Allein das Licht im düsteren schwedischen Winter - das kann man nicht künstlich herstellen.

Der Roman wurde vor wenigen Jahren bereits in Schweden verfilmt. Hatten Sie keine Bedenken, in einem Remake mitzuwirken?

Craig: Ich konnte dieses Angebot unmöglich ablehnen. Dass es sich dabei um ein Remake handelte, war mir egal. Vielmehr wollte ich das Projekt unterstützen, weil solche Filme, die sich explizit an ein erwachsenes Publikum richten, in Hollywood kaum noch gedreht werden.

Was meinen Sie konkret?

Craig: Dieser Film behandelt wichtige Themen und setzt sich mit dem Missbrauch von Macht auf verschiedenen Ebenen auseinander. Ich habe die Hoffnung, dass, wenn dieser Film an der Kinokasse erfolgreich ist, andere Studios sich auch an solche Projekte herantrauen. Ich möchte im Kino wieder Werke wie „Der Pate“ sehen, die beste Unterhaltung bieten und sich trotzdem mit eindeutig erwachsenen Themen beschäftigen.

Wenn der Film erfolgreich ist, werden auch noch die beiden Folgeromane verfilmt, und Sie werden die nächsten Jahre allein mit James Bond und Mikael Blomkvist verbringen…

Craig: Was für einen Schauspieler ja ein sehr luxuriöses Problem ist. Ich habe unterschrieben, dass ich für zwei weitere Folgen zur Verfügung stehe und würde mich freuen, wenn es eine Fortsetzung gibt. Aber das ist eine ökonomische Entscheidung, die allein beim Studio liegt.

Von Martin Schwickert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.