Jazzsängerin Rebekka Bakken spielt Country – Auftritt im Kulturzelt

Ihr Auftritt wird einer der Höhepunkte in der Kasseler Kulturzeltsaison sein. Die norwegische Jazzsängerin Rebekka Bakken spricht mit uns über Country- und Folk-Einflüsse in ihren aktuellen Musikprojekten und ihre Liebe zur Melancholie.

Warum war es für Sie wichtig, eine Weile in Schweden auf dem Land zu leben?

Rebekka Bakken: Die Schönheit der Landschaft und die Sehnsucht nach meinen skandinavischen Wurzeln hatten mich angezogen. Ich musste sehr dringend meine Landbatterien wieder aufladen.

Ohnehin haben Sie nach ihrem Album „Morning Hours“ eine Pause eingelegt. Wieso?

Bakken: Für uns alle, die kreativ tätig sind, ist es unerlässlich, von Zeit zu Zeit Nichtstun zuzulassen. Nur so kannst du auf Dauer das lieben, was du tust.

Wie können wir Sie uns als Bäuerin vorstellen?

Bakken: Ich habe nur wenige Songs hier auf dem Bauernhof geschrieben, weil ich ganz bewusst abschalten wollte. Ich bin lieber in den Stall gegangen und habe mit den Pferden geschmust. Oder ich bin rübergelaufen zu meinen Nachbarn, habe mit ihnen Kaffee getrunken, Kuchen gegessen oder habe Socken für ihre Kinder und Enkel gestrickt.

Ist es ein Kompliment, wenn man Ihre Musik als traurig bezeichnet?

Bakken: Ja, das höre ich gerne. Ich mag Melancholie und bin kein Mensch, der traurige Stimmungen ausblendet oder vor ihnen davonzurennen versucht. Ich kann viel Schönheit im Traurigen entdecken. Ich mag das gesamte emotionale Spektrum, so wie ich auch alle vier Jahreszeiten mag.

Der Zyklus des Lebens ist der rote Faden für Ihr Album. HAt das auch mit privaten Gründen zu tun?

Bakken: Ja. Mein Vater ist vor einiger Zeit gestorben. Der Tod eines Menschen ist eine großartige Möglichkeit, das Leben zu zelebrieren. Ich konnte mich um meinen Vater kümmern, ihn begleiten. Das war bedeutend für mich. Diese Liebe, die ich spürte, als ich die letzten Monate mit meinem Vater verbrachte, war unheimlich bewegend. Ich kannte dieses Gefühl vorher nicht.

Sie singen auf „September“ eine neue Version des Alphaville-Klassikers „Forever Young“. Wie gehen Sie selbst denn mit dem Älterwerden um?

Bakken: Das Alter ist immer weniger eine Belastung für mich. Speziell hier in Schweden habe ich sehr viele Freunde, deren Durchschnittsalter ungefähr 78 ist. Ich habe mit meinen 41 Jahren sehr viel Spaß. Mit 20 wollte ich lieber tot sein als jemals 60 zu werden, das stimmt. Das hat sich geändert. Hinter „Forever Young“ steckt aber noch eine andere Geschichte.

Welche denn?

Bakken: Es gab bei uns in der Schulklasse diesen Jungen, der liebte das Lied und hatte es auf Kassette dabei, damit er es allen vorspielen kann. Blöderweise habe ausgerechnet ich die Kassette kaputtgemacht, aus Versehen natürlich. Wenn ich den Song heute höre, denke ich „Zum Glück hat Lasse mich nicht umgebracht“. Abgesehen davon fand ich es einfach toll, ein Lied neu zu interpretieren, das total weit von meinem eigenen Stil entfernt ist.

Wieso singen Sie amerikanisch inspirierten Countryfolk? Sie kommen doch ursprünglich vom Jazz.

Bakken: Ich habe mich nie als Jazzsängerin gesehen, den Stempel haben andere mir gegeben. An sich habe ich vom Jazz gar keine Ahnung. Zum ersten Mal vor anderen gesungen habe ich bei einer Weihnachtsfeier in unserer Schule in Oslo, als Kind. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, wie meine Stimme wirkt. Dass ich mal beruflich eine Sängerin sein würde, konnte ich mir aber da noch nicht vorstellen. Ich dachte, ich müsste auf jeden Fall hart arbeiten, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Warum dann aber Country?

Bakken: Ich will nicht steckenbleiben, Was die Musik angeht, bin ich eine Erlauberin. Ich lass die Hände möglichst vom Steuer und schaue, was passiert.

Rebekka Bakken tritt am 29. Juli im Kasseler Kulturzelt auf. Karten beim HNA-Kartenservice, Tel. 0561-203204. CD: September (Boutique/ Universal), Wertung: !!!!:

Von Steffen Rüth

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