„Ich bin am liebsten zuhause“

Interview: Bestseller-Autor Heinz Strunk über sein Afrika-Buch, Reisen und dicke Urlauber am Strand

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Seit 20 Jahren beschäftigt er sich hauptberuflich mit Humor: Heinz Strunk alias Matthias Halfpape. Große Erfolg feierte der Hamburger 2004 mit seinem Buch „Fleisch ist mein Gemüse“, in dem er die eigene Jugend thematisierte.

Nun erscheint sein neues Werk „Heinz Strunk in Afrika“. Im Interview erzählt der 48-Jährige vom Reisen und ausgeprägter Nicht-Neugierde.

Herr Strunk, wo ist es schöner: daheim oder unterwegs?

Heinz Strunk: Daheim natürlich. Gelegentlich muss man zwar mal raus, sonst wird es langweilig. Allerdings habe ich mehr Sitzfleisch als andere. Ich bin am liebsten zuhause.

Haben Sie auf Reisen Heimweh?

Strunk: Nee. Noch seltener habe ich allerdings Fernweh - also nie. Für mich kommen eh nur Pauschalreisen infrage. Allein die Vorstellung, im Ausland ein Auto zu mieten, ist mir schon zu aufregend.

Sie sind also der geborene Anti-Entdecker.

Strunk: Wenn Sie so wollen. Ich bin vom Naturell eher ängstlich. Ich habe etwa Höhenangst. Das ist aber in Ordnung: Man kann sich sein Leben lang damit herumplagen, seine Schwächen abzutrainieren. Ich bin stattdessen dafür, seine Stärken zu kultivieren.

Wie bereiten Sie sich vor, wenn Sie doch mal verreisen?

Strunk: Abnehmen, man will sich ja ungeniert zeigen können - Stichwort Strandfigur. Erstaunlicherweise haben aber immer die adipösesten und voluminösesten Menschen kein Problem damit, sich nackt zu zeigen. Schrecklich.

Ihre Romanfiguren kommen selten gut weg, jeder hat einen Makel. Ist das eine Fähigkeit, das Schlechte im und am Menschen zu erkennen?

Strunk: Das eignet man sich an im Lauf der Jahre. Mit meinen Einschätzungen liege ich oft erschreckend richtig. Der Satz „Alles Wahre steht im Gesicht“ trifft meiner Meinung nach total zu, das Innenleben formt die Physiognomie.

Klingt misanthropisch.

Strunk: Ist aber so. Ich würde gern die ganze Menschheit aus tiefstem Herzen lieben - klappt aber bei mir einfach nicht, leider.

In Ihren Büchern haben Sie sich bisher immer an sich selbst abgearbeitet und die eigene Pubertät, Jugend sowie Adoleszenz thematisiert. Ist das eine Form von Selbsttherapie?

Strunk: Wer beschäftigt sich nicht mit sich selbst? Gut, ich mache das vielleicht etwas offensiver. Womit sollte ich mich denn sonst beschäftigen als mit meiner Biografie? Rückblickend konnte ich so den toten Jahren zumindest etwas Sinn einhauchen.

Das klingt sehr traurig.

Strunk: Ich bin Melancholiker.

Was tun Sie dagegen?

Strunk: Weniger trinken, Sport, arbeiten. Ich war zuletzt ziemlich produktiv. Glücksgefühle kann ich daraus aber nicht generieren.

Wann haben Sie das letzte Mal Glück empfunden?

Strunk: Echtes Glück ist selten. Mein letztes Mal war nach der Veröffentlichung von „Fleisch ist mein Gemüse“. Damals war ich mit Studio Braun auf Tour, als das Buch auf dem Markt wie eine Rakete einschlug. Damit hatte ich nie im Leben gerechnet. Nachts im Hotel bin ich aufgewacht, habe zwei Stunden lang einfach nur dagelegen und mich glücklich gefühlt. Am nächsten Tag war das Gefühl weg.

Das ist aber schade.

Strunk: Nein. Was für ein maßloser Gedanke, dass der Mensch über einen längeren Zeitraum hinweg befähigt sein soll, glücklich zu sein. Das hätte jeder gern. Glücksratgeber spielen mit dieser Sehnsucht ein teuflisches Spiel. Wie kann sich aber jemand anmaßen, mir sagen zu wollen, wie ich glücklich werde? Das ist doch Tinnef.

Vielleicht sollten Sie selbst einen Ratgeber schreiben.

Strunk: Ich plane in der Tat so etwas wie: „Heinz Strunks Gedanken zur Zeit - Was uns wirklich wichtig ist“. Das ist dann aber nicht so ernst zu nehmen. (dpa)

Heinz Strunk: Heinz Strunk in Afrika. Rowohlt, 272 Seiten, 13,95 Euro.

Zur Person

Heinz Strunk wurde am 17. Mai 1962 in Hamburg als Mathias Halfpape geboren. In den 80ern tingelte der Saxofonist mit der Tanzband Tiffanys durch Norddeutschland. Darüber schrieb Strunk 2004 den Bestseller„Fleisch ist mein Gemüse“, der auch verfilmt wurde. Bekannt geworden war der Entertainer zuvor mit dem Trio Studio Braun und lustigen Telefonstreichen. Der 48-Jährige ist ledig und wohnt in Hamburg. (mal)

Von Julian Mieth

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