„Ich bin Mutter Teresa“: Schriftsteller Ulrich Holbein im Interview

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Gewitzter Waldbold: Ulrich Holbein mit seiner Partnerin Viera Janárceková vor seinem Haus im Grünen im Knüll.

Kritiker vergleichen den Schriftsteller Ulrich Holbein aus Allmutshausen im Schwalm-Eder-Kreis mit Arno Schmidt und Jean Paul. An diesem Samstag erhält der 59-Jährige als erster Nordhesse den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor.

Wie befragten ihn dazu per Mail, weil er das Spontansein am Telefon nicht sehr schätzt. Holbein wünschte sich möglichst originelle Fragen. Wir versuchten, dem Meister, den der „Tagesspiegel“ als „originellsten Schriftsteller deutscher Sprache“ bezeichnet, gerecht zu werden.

Herr Holbein, Glückwunsch zum Literaturpreis für grotesken Humor. Können Sie auch über sich selbst lachen?

Ulrich Holbein: Ich lach sogar mehr über mich als über andere - wenn ich mal dazu käme nachzugucken, was ich so treibe und wie ich aussehe. Zähneblecken liegt mir aber weniger als weltweises Ablächeln.

Erzählen Sie uns bitte Ihren Lieblingswitz.

Holbein: „Bück dich, Fee, Wunsch ist Wunsch!“

Sie wohnen seit Jahrzehnten in einer Hütte im Knüllgebirge. Wie oft haben Sie sich schon in eine Künstler-Metropole wie Berlin gewünscht?

Holbein: In aller Bescheidenheit - solang 600 000 BRD-Künstler meine Forderung nicht erfüllen, dass Durchschnittsgenies aller Art einen eigenen Personalstil entwickeln sollten, die sie von den 599 999 hochtalentierten Kollegen phänomenal abheben, solang zieh ich nicht nach München, eher noch nach Sulawesi und Kuala Lumpur.

Sie sehen aus wie ein Hippie aus einem Roman von T.C. Boyle. Dabei haben Sie für Popkultur nur wenig übrig. Wieso ziehen Sie „spießigen Bildungsscheiß“ vor, wie Sie einmal gesagt haben?

Holbein: Vielleicht bin ich ja ein offizieller Vegetarier und Mozart-Enthusiast, der heimlich Würste isst und hierbei Heino, Zappa und Bohlen hört.

Sie sind in Kassel aufgewachsen und dort „von drei oder vier Schulen geflogen“. Was würden Sie einem Schüler, wie Sie damals waren, heute mit auf den Weg geben?

Holbein: Weich ab, egal wovon! Sei anmutig, wenn’s auch schwerfällt! Küsse deine Feinde, auch wenn diese sich bedanken! SMS heißt: Save my Soul! Facebook ist unwichtiger als Gesicht und Buch.

Später haben Sie als Krankenpfleger und Sozialpädagoge gearbeitet. Sind Sie als Schriftsteller auch jemand, der anderen hilft und die Welt ein bisschen besser machen will?

Holbein: Stimmt, ich bin so eine Art Mutter Teresa und tu allen nur Gutes. Dafür kritisieren, belächeln und verachten mich arg viele.

Wissen Sie schon, was Sie mit den 10 000 Euro Preisgeld machen werden?

Holbein: Zwei, drei Idyllen ankaufen, Lustschlösser, privates Streichquartett, Privatsekretärin, 16-köpfige Dienerschaft à la Goethe, Griechenland retten, im Knüll eine Kürbisplantage anlegen lassen, mit einer Herde Zwergziegen.

Was hätten die Namensgeber Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner, denen Sie oft begegnet sind, dazu gesagt, dass Sie den Preis bekommen?

Holbein: 1993 flüsterte OH Kühner im Krankenhaus meiner Partnerin Viera Janárceková zu, sie dürfe es noch keinem verraten, aber Herr Holbein bekomme in diesem Jahr den Preis für grotesken Humor. Vielleicht war’s nur Wunschdenken. Es mussten ja auch erst mal etliche groteskere Humoristen gefunden werden.

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