"Ich bin nicht Lady Gaga": Sängerin Schmidt im Interview

Mit einer Mischung aus Bar Jazz der Zwanzigerjahre und modernem Pop schaffte die Berliner Sängerin Schmidt im vorigen Jahr den Durchbruch. Ihr Debüt „Femme Schmidt“ nahm die 23-Jährige in London mit Robbie Williams’ Songschreiber Guy Chambers auf.

Sie tourte mit Elton John und schaffte es mit dem Song „Heart Shaped Gun“ aus dem Kölner „Tatort“ in die Charts. Wir sprachen mit der gebürtigen Koblenzerin, die am 7. Juni bei den Gandersheimer Domfestspielen und am 3. August im Kasseler Kulturzelt gastiert.

Können Sie überhaupt fassen, was seit Ihrem Debütalbum alles passiert ist?

Schmidt: Darüber habe ich mir keine großen Gedanken gemacht. Es ging ja alles hopplahopp. Drei Monate nach dem Abi wurde ich von Warner gesignt. Sechs Monate später stand ich mit Guy Chambers im Studio. Auf dieses tolle Jahr kann man aufbauen.

Das kann man wohl sagen. Haben Sie sich das als Mädchen so vorgestellt, als Sie davon träumten, Sängerin zu werden?

Schmidt: Ich habe mir das nicht nur vorgestellt, ich wusste es. Ich war mir nicht sicher, ob ich das Abi schaffe, aber ich wusste, dass ich Sängerin werde.

Das wollen Millionen Mädchen, aber nur die wenigsten schaffen es.

Schmidt: Das stimmt. Aber mein Gefühl war so groß - das konnte nicht falsch sein. Jeder sollte an seine Träume glauben. Allerdings: Diejenigen, die ihre Träume tatsächlich verwirklichen, müssen durch eine Betonmauer rennen. Man muss mutig sein.

Damals haben Sie Lieder von Norah Jones gesungen. Wann haben Sie die Goldenen Zwanziger für sich entdeckt?

Schmidt: Im Leistungskurs Geschichte in der Schule. Ich war davon fasziniert, habe mich näher damit beschäftigt und Cole Porter entdeckt. Mit Marlene Dietrich würde ich sofort meinen Tag verbringen.

Würden Sie lieber in der damaligen Zeit leben?

Schmidt: Nein, heute geht es uns sehr viel besser. Ich hoffe, dass man das in meiner Musik auch erkennen kann. Ich hole mir ein Accessoire aus der Vergangenheit und versuche, mit gegenwärtigen Momenten etwas Neues zu schaffen.

Werden die neuen Songs, die Sie gerade mit Dave Stewart von den Eurythmics in Los Angeles schreiben, auch nach den Zwanzigern klingen?

Schmidt: Das weiß ich noch nicht. Die Musik wird weiter Pop Noir sein. Ich bin keine neue Lady Gaga. Auf jeden Fall soll das Album das Gefühl widerspiegeln, wenn man wahnsinnig glücklich ist und eine Melancholie entwickelt, weil man weiß, dass es irgendwann vorbei sein wird. Dieses Gefühl wird mich mein ganzes Leben begleiten.

Auf der Bühne zeigen Sie sich als verführerische Femme fatale. Wie viel davon ist inszeniert?

Schmidt: Es gibt keine zweite Schmidt, die zu Hause ist. Ich inszeniere mich, aber ich verfälsche nichts. Jeder Künstler hat ein inneres und äußeres Ich. Wer nur mit seinem äußeren Ich auftritt, wird wie Amy Winehouse daran kaputtgehen. Es macht unglücklich, wenn man nur eine Rolle spielt.

Sie erleben unglaubliche Geschichten. Den Schauspieler Hugh Grant haben Sie in einer Bar in London kennengelernt.

Schmidt: Ich hatte mein Handy auf dem Tresen liegen. Als ich mich umdrehte, hielt er es in der Hand.

Wenig später hieß es, Sie hätten mit ihm im Berliner Nobel-Restaurant „Borchardt“ rumgeknutscht. Sofort standen die Reporter vor Ihrer Tür.

Schmidt: Wahrscheinlich muss man damit rechnen, wenn man mit Hugh Grant essen geht. Dabei haben wir uns wirklich nur unterhalten. Anschließend hat er mich im Taxi nach Hause gefahren. Eine Riesenwelle hat das Ganze nur geschlagen, weil seine Agentur am nächsten Tag vermeldete, dass er Vater wird. Wenn ich gewusst hätte, dass überall stehen wird, ich hätte mit Hugh Grant rumgeknutscht, hätte ich es mal tun sollen.

Schmidt live: 7. Juni, Bad Gandersheimer Domfestspiele. 3. August, Kulturzelt Kassel. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Geboren: am 14. Februar 1990 in Koblenz als Elisa Schmidt. Ausbildung: Abitur in München. Zuvor war sie bereits auf einem Musikinternat in London. Musik: Ihr Debütalbum „Femme Schmidt“ lobten Kritiker als „formschönen Pop Noir“, der verführerischer sei als Lana Del Rey. Privates: Lebt als Single in Berlin.

Von Matthias Lohr

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