„Bin nicht vergänglich“: Lady Gaga über ihren Aufstieg zum größten Popstar

Lady Gaga ist der aktuell wohl erfolgreichste lebende Popstar. Nach Riesenhits wie „Poker Face“ sind die Erwartungen an das am Montag erscheinende Album „Born this Way“ gigantisch. Wir sprachen mit der 25-Jährigen, die eigentlich Stefani Germanotta heißt, in Los Angeles.

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Lady Gaga als Vorbild: Diese zehnjährige Kanadierin wurde mit Gagas neuer Single berühmt.

Um Ihre neue Single „Judas“ gab es wieder Ärger. Christliche Organisationen unterstellen Ihnen eine bewusste Provokation. Können Sie die Aufregung verstehen?

Lady Gaga: Nein. Doch scheinbar gibt es nichts Kontroverseres, als einen Popsong über Gott zu machen.

Wie ist denn Ihr Verhältnis zu Kirche und Religion?

Gaga: Ich glaube nicht unbedingt an die institutionelle oder organisierte Kirche. Ich bin katholisch erzogen worden und besuchte in New York eine katholische Mädchenschule.

Beten Sie?

Gaga: Jeden Tag. Aber ich bete eher zu meinem verstorbenen Opa oder der toten Schwester meines Vaters. Und ich bete auch zu meinen Fans.

Zu Ihren Fans?

Gaga: Ja. Und umgekehrt. Ich treffe sehr viele Fans, die mir Dinge sagen wie: „Mutter Monster, ich bete jeden Tag, dass es meiner Familie gut geht.“ Und sie sprechen alle über Gott. Es ist kein Geheimnis, dass meine Liveshows irre Inszenierungen voller Glitzer, Blut und Teufel sind, und dann hast du draußen im Publikum Menschen, die sich das Wort „Schwuchtel“ auf den nackten Oberkörper gepinselt haben. Ich finde es faszinierend, wie viel Liebe innerhalb meiner Konzerte herrscht und wie viel Hass draußen vor der Tür.

Was ist denn Ihr persönlicher Begriff von Gott?

Gaga: Gott ist Liebe. Darum geht es im Song „Born this Way“. Speziell junge Menschen werden viel zu stark danach beurteilt, wie sie aussehen oder wie sie sich geben - von ihrem Äußeren werden nicht selten Rückschlüsse auf ihren spirituellen Charakter gezogen, das finde ich schlimm. „Born this Way“ ist ein Lied für alle die Menschen, die schwul sind oder lesbisch, die sich als Außenseiter fühlen oder in ihrer Schule gemobbt oder gedemütigt werden. Allen, die sich auf irgendeine Weise unzulänglich oder von der Gesellschaft an den Rand gedrängt fühlen, möchte ich Mut zusprechen.

Der Song „Scheiße“ ist ein schnelles, von Techno beeinflusstes Stück. Aber kannten Sie keine schöneren deutschen Wörter?

Gaga: Ist „Scheiße“ kein schönes deutsches Wort? Ich wollte einen Begriff, den jeder kennt und der - zumindest in diesem Zusammenhang - nichts bedeutet. Ich spreche ja auch am Anfang des Liedes in einer Fantasiesprache, die ein bisschen an die deutsche Sprache erinnert, aber totales Kauderwelsch ist.

Wo entstand der Song?

Gaga: In Berlin. Tatsächlich in Berlin. Ich war vorher in einem wundervollen Club, dem „Lab.Oratory“. Dort feiern sie abgedrehte Fetisch- und Sexpartys. Mich hat das Lab.Oratory sehr stark an all die Läden erinnert, in denen ich früher in New York als Tänzerin aufgetreten bin.

Sie finden Ihre Ideen also ...

Gaga: ... überall. An allen nur erdenklichen Orten kann die Inspiration auf mich warten. Ich sehe mich selbst ja so ein bisschen als Diebin: von Musik, von Kunst, von Mode. Ich habe das nicht immer selbst erfunden, was ich mache. Ich mische die Kunst der Vergangenheit mit der Kunst der

Zukunft.

Werden die Menschen in 100 Jahren noch wissen, wer Lady Gaga war?

Gaga: Das ist mein größter Traum. Ich beschäftige mich nicht so sehr damit, ob ich im Jahr 2011 relevant bin. Viel wichtiger ist mir, dass ich in 100 Jahren relevant bin. Ich will ein großes Erbe hinterlassen, spätere Generationen von Künstlern sollen sagen, dass ich ihr Vorbild bin. Ich sehe mich nicht als Trend oder als jemand Vergängliches.

Wie stellen Sie sich Lady Gaga mit 50 vor?

Gaga: Ich stelle mir vor, dass ich dann eine Familie haben werde. Ich möchte irgendwann gerne Kinder haben, einen Partner, Stabilität. Und dann gehe ich mit meinen größten Hits auf Welttournee.

Werden Sie sich mit 50 immer noch Lady Gaga nennen?

Gaga: Selbstverständlich. Ich mache keinen Unterschied zwischen mir und Gaga. Sogar meine Mutter nennt mich mittlerweile Gaga.

„Born this Way“ erscheint am Montag bei Interscope/Universal.

Zur Person

Geboren: am 28. März 1986 im US-Staat New York

Geburtsname: Stefani Angelina Germanotta

Ausbildung: Schulabschluss auf einer renommierten Privatschule in Manhattan

Musikalische Anfänge: Auftritte als 14-Jährige in New Yorker Clubs, später Songschreiberin für Britney Spears

Musikstil: Mischung aus eingängigem Eurodance und Discopop

Privates: Fehlanzeige - es gibt kaum Informationen

Freunde bei Facebook: 34,2 Millionen (der Rapper Eminem hat die einstige Königin Lady Gaga mit 36,1 Millionen Fans mittlerweile überflügelt)

Von Steffen Rüth

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