„Ich bin so niedlich wie Knut“: Komiker Kurt Krömer im Interview

Kurt Krömer

Kurt Krömer ist der lustigste Komiker Deutschlands und mindestens so transparent wie die Piratenpartei. In seinem neuen Programm „Der nackte Wahnsinn“, mit dem er am 2. Juni im Kulturzelt Wolfhagen gastiert, steht er sogar kurz nackt auf der Bühne. Wir sprachen mit dem 37 Jahre alten Berliner.

Herr Krömer, Berliner Zeitungen nennen Sie ein „lebendes Maskottchen“ der Hauptstadt. Sind Sie der neue Knut?

Kurt Krömer: Hören Sie mir bloß mit dem kleinen Eisbären auf, der hat mir jahrelang die Show gestohlen. Obwohl ich sagen muss, dass ich genauso niedliche Augen habe wie er. Vor Jahren habe ich mal ein freiwilliges ökologisches Jahr im Berliner Zoo gemacht. Aber es war unsäglich, die eingesperrten Tiere zu sehen. Knut ist wahrscheinlich an Depressionen gestorben.

Für die Berliner sind Sie der Liebling. Klopft Ihnen an jeder Straßenecke jemand auf die Schulter?

Krömer: Nee, für Promis ist Berlin genau die richtige Stadt. Wir sind nicht so aufgeregt hier. Hier könnte auch der Papst langlaufen, und alle würden einfach weitermachen wie immer.

Die Leute lieben an Ihnen, dass Sie von denselben Alltagsproblemen erzählen, die sie selbst auch haben. Aber ist Ihr Alltag überhaupt noch normal?

Krömer: Natürlich arbeite ich nicht mehr auf dem Bau, und ich kellnere auch nicht mehr nebenbei. Aber ich lebe auch nicht in einem Elfenbeinturm. Den Kontakt zu den einfachen Menschen habe ich nicht verloren. Wenn mich Leute sehen, denken sie: „Der ist aber auf dem Teppich geblieben.“ Das stimmt.

Aber wenn Sie als Kurt Krömer beim Arzt anrufen, müssen Sie doch bestimmt nicht wochenlang auf einen Termin warten wie andere Patienten.

Krömer: Zuletzt hatte ich so ein Piepen im Ohr, weil ich beim Dreh eine geknallt bekommen hatte. Da habe ich auch nicht beim Arzt gesagt: „Hallo, ich bin der tolle Kurt Krömer.“ Die kennen mich auch unter meinem privaten Namen. Und ich habe dann ganz normal drei Wochen auf den Termin gewartet.

Wenn Sie Geschichten erzählen, muss man lachen, obwohl es oft keine Pointe gibt. Wie funktioniert Ihr Humor?

Krömer: Das ist eine Grundkomik, Funny Bones sagt der Brite dazu. Man bewegt sich lustig und sucht Situationen, die nicht zu dem Text passen. Vor zehn Jahren, als mich niemand kannte, habe ich Teile meines Programms schriftlich zur WDR-Sendung „Mitternachtsspitzen“ geschickt. Irgendwann kam ein Fax, in dem stand, ich hätte die Pointen vergessen. Ich habe dann geantwortet, dass ich die immer erst zwei Wochen später schicke. Aber es stimmt: Als Buch würden meine Geschichten nicht funktionieren.

Im TV sieht man Sie derzeit nicht. Wieso haben Sie die Internationale Show beendet, nachdem Sie nach fünf Nominierungen endlich den längst verdienten Grimme-Preis bekommen hatten?

Krömer: Ich hatte die Sendung fünf Jahre gemacht und dachte: Jetzt läuft es gut, die Leute mögen das. Ich wollte nicht irgendwann in Belanglosigkeit enden. Es ist ja auch kein Abschied für immer. Ich bin immer noch Kurt Krömer und nicht Howard Carpendale, der erst seinen Rücktritt verkündet und wenig später doch wieder da ist. Im Moment genieße ich die vielen Bühnenauftritte. Zwischendurch werde ich schauspielern. Aber wenn ich allein davon leben müsste, wäre ich längst verhungert. Und irgendwann sage ich wie Howie: „Hello again.“

Alle Kulturzelt-Termine:

30. Mai: Rüdiger Hoffmann

31. Mai: Laith Al-Deen

1. Juni: Marshall & Alexander

2. Juni: Kurt Krömer

3. Juni: Bernhard Hoecker

4. Juni: Joan Armatrading

5. Juni: Herbert Knebels Affentheater

6. Juni: James Morrison

7. Juni: Red Hot Chilli Pipers (verschoben vom 8. Juni)

8. Juni: Ivy Quainoo (verschoben vom 7. Juni)

9. Juni: Vorsicht Gebläse

Alle Veranstaltungen 20 Uhr, Stadtpark Teichwiesen, Wolfhagen. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

www.kulturzelt.de

Von Matthias Lohr

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