Sängerin Katie Melua im Interview über ihr neues Album und darüber, warum ihr Ruhm nichts bedeutet

„Ich stehe auf eigenen Füßen“

Hotel Bayerischer Hof, München. Katie Melua, 25, sitzt mit perfekt aufgewickelten Locken, stark geschminktem Gesicht und einer Tasse Tee im Polstersessel. Katie ist hier, um über ihr viertes Album „The House“ zu sprechen. Es klingt moderner und ein bisschen frecher als ihre oft etwas betulichen älteren Songs, mit denen sie seit fünf Jahren extrem erfolgreich ist.

Katie Melua, Ihr neues Album heißt „The House“. Wie sieht es denn bei Ihnen daheim in London aus?

Katie Melua: Ich habe jede Menge Antiquitäten und einen kleinen Garten. Ich mag gern alte Sachen. Mein größter Stolz ist ein Puppenhaus aus der viktorianischen Zeit.

Haben Sie denn Zeit, Ihr Heim zu genießen?

Melua: Oh ja. Letztes Jahr war ich fast komplett zu Hause und habe in aller Ruhe und ohne Zeitdruck an den neuen Liedern gearbeitet. Ich liebe diese Platte.

Es ist Ihr erstes Album, auf dem die Songs nicht von Ihrem Entdecker und Mentor Mike Batt stammen.

Melua: Richtig. Ich finde es aber etwas schade, wie die Presse darauf herumreitet, dass ich mich von Mike Batt emanzipiert oder gar getrennt hätte. Das ist Unfug. Ich war nie die Gefangene oder Leibeigene von Mike Batt. Und bei „The House“ ist er auch stark beteiligt. Er hat mich zum Beispiel mit dem Produzenten William Orbit und dem Songschreiber Guy Chambers bekannt gemacht, mit dem ich fünf Songs zusammen komponiert habe. Ich bin und bleibe stolz auf Mike, und er ist stolz auf mich.

Dennoch ist dieses Album eine Art Neuanfang. Ist es wichtig für Sie, nun stärker das Sagen zu haben?

Melua: Das ist doch völlig normal. Es ist an der Zeit, dass ich auf eigenen Füßen stehe, selbst schreibe und mit anderen Partnern arbeite. Ich halte es ja schon für höchst ungewöhnlich, dass Mike und ich drei komplette Alben zusammen gemacht haben.

Was haben Sie gelernt bei dieser Platte?

Melua: Selbstbewusster zu sein. Daran hat es mir lange gemangelt. Ich habe immer sehr lange nachgegrübelt und hatte stets Angst vor dem Scheitern und dem Versagen. Diese Angst bin ich losgeworden, auch weil ich merkte, dass mich solche gestandenen Leute wie Guy Chambers, der ja schon „Angel“ für Robbie Williams geschrieben hat, ernst nehmen. Darüber bin ich sehr glücklich.

Schon interessant, dass Sie zig Millionen Platten verkauft haben und hunderte Konzerte vor sehr vielen Menschen gegeben haben und immer noch wenig Selbstvertrauen haben.

Melua: Das hört sich jetzt total unsympathisch an, ist aber so: Wenn du sehr erfolgreich wirst, dann gewöhnst du dich schnell daran, erfolgreich zu sein. Du findest die Annehmlichkeiten normal, du findest es auch normal, dass alle Leute nett zu dir sind und dir den Hintern küssen. Weil das so ist, flippst du innerlich jedes Mal aus, wenn du auch nur einen Hauch von Kritik einstecken musst. Denn du bist es nicht mehr gewöhnt, dass man harsch zu dir ist.

Kann man sagen, dass Erfolg schlecht ist für den Charakter? In fast allen Berufen ist Kritik schließlich völlig alltäglich.

Melua: Ja, Sie haben recht. Wer nicht aufpasst, wird zum Arsch. Oder fängt an, Drogen zu nehmen oder soviel Alkohol zu trinken, dass er sich betäubt. Das mache ich alles nicht. Ich lebe auch in keiner Blase. Ich bin immer noch neugierig, hinterfrage das Leben und denke viel nach.

Oft passiert es nicht, dass ein Mädchen mit 18 sein erstes Album macht und fünf Jahre später immer noch sehr gefragt ist - ohne dass es sein Leben in den Medien ausgebreitet hätte.

Melua: Anfangs habe ich mich bewusst gegen den Rummel entschieden. Ich hatte keine Lust darauf, prominent und berühmt zu sein. Ich wollte jedoch eine wirklich, wirklich erfolgreiche Musikerin werden. Das will ich immer noch, und zwar für den Rest meines Lebens. Ruhm wiederum, oder das, was wir heute dafür halten, habe ich nie für sonderlich attraktiv gehalten. Und meine Plattenfirma akzeptiert, dass ich nicht über mein persönliches Leben oder über meine bevorzugte Make-Up-Marke in Interviews rede oder dass ich keine Bikinifotos mache.

Katie Melua: The House (Dramatico/Rough Trade)

Von Steffen Rüth

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