„Ich suche den Sinn“: Julie Delpy über ihren Film „2 Tage New York“

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Landete mit der Komödie „2 Tage Paris“ einen Überraschungserfolg: Schauspielerin und Regisseurin Julie Delpy (42).

Schauspielerin Julie Delpy feierte ihr Leinwanddebüt mit 16 in Jean-Luc Godards Krimi „Détective“. Ihre Karriere führte die Französin mit renommierten Filmemachern wie Krzysztof Kieslowski („Drei Farben: Weiß“) zusammen. Mit der Komödie „2 Tage Paris“ gab Delpy 2007 ihren Einstand als Regisseurin.

Nun hat die 42-jährige die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben. Wir sprachen mit Delpy über „2 Tage New York“, der am Donnerstag ins Kino kommt.

Madame Delpy, die Komik Ihres Filmes entwickelt sich aus den kulturellen Unterschieden zwischen Franzosen und Amerikanern. Haben sich diese Gegensätze auch am Set gezeigt?

Julie Delpy: Mein Filmpartner Chris Rock spricht kein Wort Französisch, mein Vater, der auch im Film meinen Vater darstellt, spricht kein Wort Englisch. Sie haben immer wild gestikuliert, um sich zu verständigen. Chris mochte den Schauspieler, der den Manu spielt, nicht besonders. Er hielt ihn für nicht sonderlich helle, was mich sehr amüsiert hat. Das alles führte durchaus zu einer sehr speziellen Dynamik.

Wie oft müssen Sie in diesem Geschäft Ihre Seele verkaufen, so wie Marion es im Film tut?

Delpy: Dazu ist man nicht gezwungen, wenn man hart kämpft und sich seine Freiheit bewahrt. Für mich symbolisiert das Verkaufen der Seele im Film, dass man heute alles kaufen und verkaufen kann.

Mussten Sie nie Kompromisse machen?

Delpy: Ich mache die Filme, die ich machen will. Natürlich habe ich auch schon mal in Filmen mitgespielt, die ich nicht mochte. Aber ich habe die Entscheidung bewusst getroffen, diese Filme zu machen, weil ich wusste, dass es mich nicht weiter verrückt machen würde. Vielleicht habe ich gerade Geld gebraucht.

Um noch einmal auf die Seele zu sprechen zu kommen.

Delpy: Es ist seltsam. Ich habe kürzlich auch in Frankreich Interviews zum Film gegeben. Die Franzosen haben mich nach dem Sex und den Würsten gefragt, die im Film eine Rolle spielen. Die deutschsprachigen Journalisten fragen mich ständig nach meiner Seele. Ich weiß nicht, was das über sie aussagt. (lacht)

Machen Sie Filme, um den Geheimnissen des Lebens auf die Spur zu kommen?

Delpy: Man hinterfragt die Dinge, ganz klar. Jedes Stück Kunst betrachtet eine Sache und versucht, Antworten zu finden. Jeder Künstler sucht nach Antworten, nach dem Sinn. Selbst ich mit meinen verrückten Komödien.

Sie wollten schon immer Filme inszenieren. Woher rührte dieser Wunsch?

Delpy: Ich wollte immer Regisseurin sein, aber ich wurde Schauspielerin, weil ich ganz hübsch aussah. Es hat Jahre gebraucht, ich habe mir die Finger wund geschrieben und wurde bei „Before Sunset“ zum ersten Mal als Autorin genannt. Das hat mir geholfen, den Leuten klarzumachen, dass ich eine ernsthafte Autorin war. Man gab mir nur 500 000 Euro, um „2 Tage Paris“ zu machen. Aber dieser Film hat mir die Tür in die Welt der Regie aufgestoßen.

In Ihrem Film lesen Sie einem fiesen Kunstkritiker die Leviten. Wollten Sie das im wahren Leben schon immer mal tun?

Delpy: Nein, aber ich habe es für all meine Künstler-Freunde getan, deren Traum es ist, eines Tages ihrem Kritiker gegenüberzustehen. Ich hatte Kritiker, die mich als Schlampe bezeichneten. Ich sei ein Vollidiot und solle das Regieführen sein lassen. Wenn ich so etwas lese, lässt mich das völlig kalt. Ich kenne aber Leute, die das zutiefst verletzt und in Lebenskrisen stürzt. Es wird nie passieren, dass ein Kritiker einem Künstler seine Meinung offen ins Gesicht sagt. Sie begegnen dir freundlich, und dann gehen sie nach Hause und treten deine Ausstellung in die Tonne.

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