„Ich bin Teil eines Wunders“: Roxette-Gitarrist Per Gessle im Interview

Klingen auf „Charm School“ wie eh und je: Gitarrist Per Gessle (52) und Sängerin Marie Fredriksson (52), die nach einem Hirntumor die einfachsten Dinge neu lernen musste. Foto: emi

Mit eingängigem Pop und romantischen Balladen verkaufte das schwedische Duo Roxette in den 80ern und 90ern mehr als 75 Millionen Platten - bis Sängerin Marie Fredriksson an einem Hirntumor erkrankte. 2002 musste sie sich einer schweren Operation unterziehen.

Nun melden sich Roxette mit „Charm School“ zurück Wir sprachen mit Gitarrist Per Gessle (52) in einem Kölner Hotel.

Per, wo ist denn Marie?

Per Gessle: Sie muss erst wieder hineinfinden in dieses harte Geschäft. Sie fühlt sich unsicher, wenn sie den ganzen Tag auf Englisch reden soll, das fällt ihr nicht mehr so leicht wie früher. Deshalb hat sie darauf verzichtet, mitzukommen.

Mussten Sie Marie zum Comeback überreden?

Gessle: Nein, gar nicht. Für mich war Roxette im Grunde vorbei, ich habe nicht mehr damit gerechnet, dass Marie noch einmal die Kraft und die Lust aufbringt. Als ich aber vor zwei Jahren in Amsterdam ein Solokonzert gab, gesellte sie sich auf der Bühne zu mir, die Leute flippten aus und wir begannen, ernsthaft über eine mögliche Zukunft von Roxette zu reden. Jetzt bin ich richtig glücklich.

Über Marie?

Gessle: Ja. Ich habe das Gefühl, ich bin Teil eines Wunders. Die Chancen, dass sie jemals wieder auftreten würde, lagen damals nur bei wenigen Prozent. Überhaupt, dass sie überlebt hat, ist sehr unwahrscheinlich gewesen. Nur eine von 20 Personen mit ihrer Diagnose überlebt die Krankheit. Zweimal musste sie operiert werden, und anschließend vieles wieder neu lernen, selbst einfache Dinge. Natürlich ist sie nicht mehr die alte Marie, sie hat Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, sie sieht nichts mehr auf dem rechten Auge. Aber sie hat gelernt, mit ihrer Krankheit zu leben und sie ist immer noch eine großartige Sängerin.

„Charm School“ hört sich an wie ein Roxette-Album.

Gessle: Danke. Es klingt nach heute, und es klingt gleichzeitig nach Roxette. Modern, aber nicht zu modern. Wir hätten auch einen 23-jährigen Wunderproduzenten mit all seinen Soundeffekten an Bord holen können, bloß hätten wir uns dann angehört wie Katy Perry.

Und das wollten Sie nicht.

Gessle: Nein, ich stehe nicht auf diesen Sound, diese Produktionen liegen sehr eng beieinander. Du kannst kaum sagen, ob es Avril Lavigne, Pink oder Britney Spears ist. Wir kommen aus einer anderen Poptradition. Unsere größten Songs haben einen einzigartigen Sound, der mir am Herzen liegt. Dazu kommt: Wir sind keine 22, sondern zusammen 104.

Was ist für Sie typisch an einer Roxette-Nummer?

Gessle: Die klassischen Roxette-Zutaten sind: starke Refrains mit Gitarren, kurze, knackige Songs, effiziente Melodien, eine gewisse Melancholie. Ich schrieb bewusst Songs, von denen ich wusste, dass Marie sich in sie hineinfühlen kann. Und dass der Hörer mit Marie fühlt. „No One Makes It On Her Own“ oder „Sitting On The Top Of The World“ sind absolute Marie-Songs.

Sie haben ein Privatkonzert bei der Hochzeit von Prinzessin Victoria und ihrem Daniel gegeben. Wie war es zu Hofe?

Gessle: Meine Frau und ich sind mit der königlichen Familie ganz gut befreundet. Wir waren also ohnehin eingeladen. Daniel hat dann gefragt, ob wir nicht ein paar Songs bringen können. Haben wir dann gerne gemacht, um 2 Uhr nachts.

Auch schon mal mit König Carl Gustaf im Puff gewesen?

Gessle: Nein, nein. So gut kenne ich den König nicht. Und außerdem: Wenn ich in Nachtclubs ginge, brächte meine Frau mich um. Stockholm ist ein Dorf.

„Charm School“ erscheint am Freitag bei Emi.

Am Samstag treten Roxette in der ZDF-Show „Wetten, dass ..?“ (20.15 Uhr) auf.

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