Interview mit Heino Ferch über seine Rolle in "Ruhm" 

Zweimal Heino Ferch: In „Ruhm“ spielt er den Schauspieler Ralf Tanner, der seinem Doppelgänger begegnet. Foto: NFP

Im Episodendrama „Ruhm“, das auf dem gleichnamigen Roman von Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) basiert, spielt Heino Ferch (48) einen Leinwandstar, der sich mit unabsehbaren Folgen in ein bizarres Doppelleben stürzt. Diese Woche kommt der Film in die Kinos.

Lassen Sie uns über Ruhm sprechen. Wie lebt es sich mit einem der bekanntesten Gesichter Deutschlands, welchen Preis müssen Sie bezahlen?

Heino Ferch: Gar keinen. Wenn man ausstrahlt, dass man einfach sein Leben lebt und akzeptiert, dass man angeschaut wird - was meistens auf sehr sympathische Weise geschieht - lebt es sich sehr gut damit.

Was bedeutet Ihnen Ruhm?

Ferch: Es bedeutet, diese Sympathie des Publikums wirklich genießen zu können, gut zu tun zu haben und sich Rollen aussuchen zu können. Eben den Weg weitergehen zu können, den man eingeschlagen hat. Armin Mueller-Stahl hat mal gesagt: „Erfolg macht Erfolg.“ Wenn man sich treu bleibt, ist das der einfachste und richtigste Weg, um glücklich durchs Leben zu gehen.

Wie bleibt man sich treu?

Ferch: Man darf seine Werte nie verraten. Man muss sich auf seinen Instinkt verlassen, der durch Erfahrung geformt wurde. Dieser Instinkt ist mit einer Lust verbunden, in gewisse Stoffe einzutauchen. Es muss nicht immer die Hauptrolle sein. Wenn man die richtige Linie beibehält, kommen irgendwann die Zuschauer auf einen zu und sagen: „Wenn Sie dabei sind, schalten wir ein oder wir gehen ins Kino.“ Das ist ein sehr schönes Kompliment.

Haben Sie je von Hollywood geträumt?

Ferch: Wer will uns denn in Amerika? Die paar, die drüben wirklich auffällig geworden sind, wie Maximilian Schell, Armin Mueller-Stahl oder aktuell Christoph Waltz, sind immer im Sog eines erfolgreichen Films rübergespült worden. Wenn man in Europa gut zu tun gehabt hat, kann man schnell unglücklich werden, wenn man auf eigene Faust nach L.A. zieht und dann ein Jahr lang erfolglos zu den Castings rennt.

Konnten Sie sich mit den Problemen Ihrer Figur aus „Ruhm“ identifizieren?

Ferch: Mit den Problemen nicht, nein. Ralf Tanner ist jemand, der sehr einsam und zurückgezogen lebt. Er hat sich von einer Welt abgeschottet, die ihm in seinem Stadium des Ruhms fremd geworden ist. Er hat keine Frau, keine Freunde, keine Kinder. Das ist sehr traurig. Das ist nicht meine Welt, so würde ich nicht leben wollen. Er lässt sich dann auf ein Doppelgänger-Spiel ein, es ist seine Flucht aus der Geschichte. Ich bin sehr viel bodenständiger als Ralf Tanner.

„Ruhm“ hat den Mut zu einer ungewöhnlichen Erzählstruktur. Glauben Sie, dass man dem Zuschauer häufig zu wenig zutraut?

Ferch: Das denke ich schon. Ein Episodenfilm mit sechs Geschichten, die so miteinander verwoben sind, dass man manchmal emotional herausgerissen wird und wieder hineinfinden muss, unterscheidet sich natürlich sehr vom klassischen Dreiakter, mit dem man viel einfacher fesseln kann.

Können Sie gut mit Kritik umgehen?

Ferch: Sehr gut, glaube ich. Mit intelligenter, ernsthafter Kritik, wenn sich jemand wirklich mit einer Sache beschäftigt hat, kann ich gut umgehen. Leider habe ich oft den Eindruck, dass ein Kritiker mit dem, was er schreibt, einfach nur unheimlich witzig sein möchte. Und natürlich ertappe ich mich manchmal dabei, dass ich wieder einen Fehler gemacht habe, den ich eigentlich nie wieder machen wollte.

Von André Wesche

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