Yvonne Catterfeld über ihr Album, überholte Männerbilder und Dieter Bohlen

„Ich wäre weg gewesen“

Yvonne Catterfeld hat sich mit einem neuen Album zurückgemeldet. „Blau im Blau“ ist nicht, was man von ihr erwartet. Statt Schmusepop singt sie freche Chansons und poetische Songs über Beziehungen.

So wie auf „Blau im Blau“ hat man Sie noch nicht gehört.

Yvonne Catterfeld: Ich bin nicht mit der Absicht ins Studio gegangen, so etwas verselbständigt sich. Ich habe nicht nur meinen Gesang, sondern das Team reduziert, weil ich aus Erfahrung weiß, dass viele Köche den Brei verderben.

Sie sind gerade 30 geworden. Kommt Ihnen Ihr Alter zugute?

Catterfeld: Auf jeden Fall. Es ist wichtig, aufs Bauchgefühl zu hören. Leider lässt man sich oft von Menschen, die meinen, viel mehr Erfahrung zu haben, vom eigenen Pfad abbringen. Mein Album ist eigentlich ein Weg zurück zu dem, was ich mit 20 machen wollte.

Warum haben Sie sich für den Produzenten und Songschreiber Achille Fonkam entschieden?

Catterfeld: Ich habe zweieinhalb Jahre nach Songs gesucht, drei Produzenten ausprobiert. Am Ende hat mich alles zu Achille hingeführt. Das Schönste war, dass wir über Musik kaum reden mussten. Die Songs flogen uns zu. Seine Melodien haben mich fast wahnsinnig gemacht. Ich konnte nicht mehr schlafen.

Die Zeiten des netten Mädchens seien vorbei, heißt es im Presseinfo. Hat Sie dieses Image immer gestört?

Catterfeld: Als öffentliche Person dient man als Projektionsfläche. Mein Privatleben versuche ich zu schützen, so dass ich nicht viel Angriffsfläche biete. Mein Ansatz war, ein ehrliches Album zu machen. Wer nicht daran interessiert war, den habe ich ausgesperrt. Die Hörer würden es merken, wenn ich sie belügen würde.

Ihre Songs kommen nachdenklich und melancholisch daher. Verarbeiten Sie eigene Liebes- und Lebenskrisen?

Catterfeld: Ich wollte noch eine andere Facette drin haben. „Traummann“ ist ein frecher Spaßsong zum ewigen Mann-Frau-Thema, das wir einmal umgedreht haben. Ich finde, Theaterstücke wie „Caveman“ oder Komiker wie Mario Barth zeichnen ein lustiges, aber völlig überholtes Männerbild. Deshalb wollte ich einen ironischen Song machen, in dem die Frau sagt, wo es lang geht. Ich wünsche mir keinen rabiaten Macho.

Ihr Lebensgefährte Oliver Wnuk zeigt als Texter Einfühlungsvermögen.

Catterfeld: Oliver ist ein idealer Texter, er kennt mich wie kein anderer. Eine schmalzige Liebeserklärung hätte er niemals gemacht. Und ich singe es dann - um Gottes Willen!

Mit Hilfe von Dieter Bohlen schafften Sie den musikalischen Durchbruch. Hätte Ihre Plattenfirma sich eine Fortsetzung der Zusammenarbeit gewünscht?

Catterfeld: Dann wäre ich weg gewesen. Mit Bohlen habe ich meine Erfahrungen, aber ich bin niemand, der mit Dreck um sich wirft. Alles in allem bin ich für den Song „Für Dich“ dankbar. Aber diese Zeit ist für mich abgeschlossen.

In „Wer ich bin“ singen Sie, dass Schmerz und Enttäuschung nicht an Sie rankämen. Wie autobiografisch ist der Song?

Catterfeld: Ich weiß schon, wie sich Schmerz und Enttäuschung anfühlen. Andernfalls könnte ich keine Filme drehen. Aber ich glaube, Oliver mag an mir meine Gelassenheit. Ich habe scheinbar die Fähigkeit, in schwierigen Situationen cool zu bleiben.

Letztes Jahr wurde Ihr Filmprojekt „Eine Frau wie Romy“ aus finanziellen Gründen abgesagt. War das eine schmerzhafte Erfahrung?

Catterfeld: Natürlich. Aber letztendlich war es meine Entscheidung auszusteigen. Ohne den Produzenten Raymond Daymon wäre es zu künstlerischen Abstrichen und Drehbuchänderungen gekommen. Das Risiko wollte ich nicht eingehen.

Yvonne Catterfeld – Blau im Blau (Sony)

Von Olaf Neumann

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