Eric Clapton hat mit seinem neuen Album ein kleines Meisterwerk vorgelegt

„Ich wende eine List an“

Melancholiker mit virtuoser Gitarrenbeherrschung: Ausnahmemusiker Eric Clapton (65). Foto:  Warner/nh

Die meisten Leute versuchen herauszufinden, wie sie auf die Überholspur kommen“, sagt Eric Clapton (65). „Ich gehe den umgekehrten Weg und möchte herausfinden, ob ich diese Musik von damals hinbekomme“.

Immer wieder hat „Old Slowhand“ aus den alten Quellen seiner Musik geschöpft und ist zum Blues zurückgekehrt. Seit seiner ersten großen Soloplatte vor 40 Jahren hat er trotz mancher Ausrutscher und seines Hangs zu glattem Perfektionismus immer wieder auf das Schätzkästchen alter Songs zurückgegriffen. Die gelungene Koproduktion mit B.B. King und seine Überarbeitung der Songs der Blues-Legende Robert Johnson sind dafür die besten Beispiele ebenso das über alle Zweifel erhabene kleine Wunderwerk seiner großartigen „Unplugged“-Kollektion.

„Immer, wenn es daran geht, ein Album aufzunehmen, stehe ich entweder unter dem Druck, etwas Großes ausdrücken zu wollen oder gar nichts“, sagt Clapton. „Wenn da nichts ist, wende ich eine List an. Und dann kommt of etwas Interessantes dabei heraus“.

Auch bei seinem 19. Album ließ er die „Dinge einfach laufen“. Dabei haben Clapton und Produzent Doyle Bramhall das schlicht „Clapton“ (Warner) bezeichnete Werk trotz gelegentlicher, aber sehr stimmig und dezent eingesetzter Streicher, nicht überfrachtet. Man spürt die Klasse der Begleiter, von legendären Studio-Kämpen wie Jim Keltner (Schlagzeug), Willie Winks (Bass) und dem J.J.Cale-Mitstreiter Walt Richmond am Klavier bis hin zu Weltklasse-Gastmusikern. Doch bei aller Finesse wirkt diese Songkollektion homogen, organisch, wie aus einem Guss. Natürlich hat der Meister unter die 14 Stücke des Albums, das gleich mit dem knorzigen „Travelin´ Alone“ munter losrumpelt, einige puristische Blues-Kleinoden gestreut.

Selbst zwei Stücke des alten Piano-Haudegens Fats Waller, die Clapton in den Sinn kamen, als er wegen einer Gallenoperation im Krankenhaus lag, sind darunter. Die New-Orleans-Eminenz Allen Toussaint an den Tasten und der Jazztrompeter Wynton Marsalis verleihen ihnen zusammen mit einer hochkarätigen Bläser-Truppe eine kräftige Dixieland-Patina. Nicht alles ist Uralt-Nostalgie: Bei „River Runs Deep“, Claptons Reverenz an J.J. Cale, lässt er zu geschmackvollen Bläsern seine Gitarre grooven. Und mit „Diamonds Made From Rain“ dürfte er einen seiner schönsten Songs mit Hit-Appeal eingespielt haben.

Der Knaller auf dieser wunderbaren CD sind allerdings zwei Standards, die im Jazz schon längst totgespielt zu sein schienen. „How Deep Is The Ocean“ und vor allem „Autumn Leaves“ sind kleine Meisterwerke geworden, die sich Clapton mit entspannter Eleganz mühelos anverwandelt und so auf originelle Weise zu einer Art geerdetem Jazz-Pop macht. „Wir spielen Rock’n’Roll und Blues, aber am Ende des Tages sind wir doch alle Balladensänger“, sagt Clapton. Dass seine Stimme über die Jahre immer besser geworden ist, machen gerade solche Schmuckstückchen deutlich.

Fünf Sterne für Mr. Slowhand. Hängen wir sie hoch in den Himmel, wo sie funkeln und all die flüchtigen Stars und Sternchen überstrahlen.

Eric Clapton: Clapton. (Warner). Wertung: !!!!!

Von Ullrich Riedler

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