Der Moderator über seinen „Musikantenstadl“ und sinkende Quoten

Interview mit Sänger Andy Borg: „Ich werde geduzt, bis ich sterbe“

Eigentlich müsste Andy Borg, der „König der Volksmusik“, Sorgen haben. Die Einschaltquoten seines „Musikantenstadls“ im Ersten sinken, auch andere Sendungen mit volkstümlicher Musik schwächeln oder werden gar eingestellt.

Trotzdem wird Borgs Tournee-Auftritt mit dem Stadl am 2. Februar in der Kasseler Eissporthalle wohl ein Renner. Wir riefen den 50-Jährigen in seinem Haus in der Nähe von Passau an.

Herr Borg, Sie sind Anfang November 50 geworden. Manche Menschen haben Angst vor so einem Jubiläum. Haben Sie es überstanden?

Andy Borg: Ja, erst habe ich darauf gewartet, dass etwas passiert. Ist dann aber nicht. Als Schlagersänger hat man kein Problem mit dem Altern. Ich werde so lange geduzt, bis ich sterbe.

Sie wollen sagen: Ihre Fans lieben Sie. Was erwartet die Besucher, wenn Sie in der Kasseler Eissporthalle auftreten?

Borg: Ein gemütliches Zusammensitzen ohne inszenierte Show. Wir stehen auf der Bühne und machen Lala. Ich liebe das Singen. Als Moderator erzählt man ein paar Fakten, aber mit dem Singen berührt man die Menschen viel tiefer. Das bleibt den Menschen in den Herzen.

Das Erstaunliche ist, dass Sie mit Ihrer Show große Hallen voll machen, im Fernsehen aber kaum mehr jemand Volksmusik sehen will.

Borg: Mir reichen die fünf Millionen, die uns jedes Mal einschalten. Sie müssen ja sehen, dass alles zurückgegangen ist. „Wetten, dass ..?“ haben früher zwanzig Millionen gesehen, heute sind es nicht einmal mehr zehn. Es gibt nicht mehr nur ARD und ZDF, sondern dutzende Programme, die gegeneinander konkurrieren. Der Tonträgerverkauf nimmt sowieso rapide ab.

Gibt es denn junges Publikum, das nachwächst?

Borg: Na klar, wir haben sogar eine Facebook-Seite für den Musikantenstadl gemacht. Am Anfang dachte ich: Okay, schaust du halt ab und zu mal rein. Jetzt bin ich mindestens zweimal am Tag in dem Netzwerk. Wir haben schon 2700 Fans. Moment, meine Frau hat mich gerufen. Es steht ein Autogrammjäger an der Tür. Sie entschuldigen mich kurz.

Natürlich.

(nach einer Minute)

Borg: So, da bin ich wieder.

Schön. Machen Sie das gern: An der Haustür Autogramme geben, wenn Fans klingeln?

Borg: Eigentlich nicht, es passiert ja auch nicht jeden Tag. Diesmal war es der Mann vom Paketdienst, der eine Unterschrift für seine Oma wollte. Sie wird bald 80. Wo waren wir stehen geblieben?

Bei den sinkenden Quoten.

Borg: Stimmt. Bei den Programmen hat sich alles verschoben. Wir gehören zu den drei größten Samstagabendsendungen. Damit sind wir sehr zufrieden.

Andere Formate wurden bereits gestrichen. Vor drei Jahren stellte das ZDF die „Lustigen Musikanten“ ein, worauf es heftige Proteste von Heino gab. Als zuletzt das Ende des „Grand Prix der Volksmusik“ verkündet wurde, blieb es still. Warum?

Borg: Keine Ahnung. Von den Programmverantwortlichen wird die Volksmusik wie ein heißes Eisen angefasst. Aus deren Sicht gibt es dafür leider ein Publikum. Es ist ja ganz normal, dass Sendungen eingestellt werden und neue nachwachsen. Thomas Gottschalk wird auch irgendwann mal aufhören. Und irgendwann wird es auch den „Musikantenstadl“ nicht mehr geben.

Der Dramatiker Franz Xaver Kroetz hat Sie zuletzt ein „dreistes, rosa Schweinchen“ genannt. Ärgert Sie so etwas?

Borg: Ich bin Skorpion und rege mich über alles auf. Aber das dauert so lang wie ein Mückenstich: Es kratzt ein bisschen und ist dann weg. Ich kann meine Familie trotzdem ernähren. Schlimmer fände ich es, wenn mein Nachbar sagen würde, du kannst nicht einparken. Nicht einmal der liebe Gott kann es jedem Recht machen. Meine Frau beispielsweise kriegt Pickel, wenn ich Grönemeyer höre, aber wir haben uns trotzdem lieb. Wem der „Musikantenstadl“ nicht gefällt, der soll ihn einfach ausschalten.

„Musikantenstadl“ mit Andy Borg, Monika Martin, Patrick Lindner und anderen: 2. Februar, Eissporthalle Kassel. HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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