„Sitzungszimmer“: San Keller und Rein Wolfs beim öffentlichen Kuratieren in der Kunsthalle Fridericianum

„Ich will dich nicht ausschließen“

Debatte über Qualität und Mitbestimmung: Künstler San Keller (links) und Kurator Rein Wolfs diskutieren über Kellers Ausstellungsprojekt im Fridericianum. Foto:  Herzog

KASSEL. Er ist bekannt für seine provokanten Interventionen, setzt sich mit der Wirkkraft von Kunst auf die reale Welt auseinander: Jetzt sitzt der 31-jährige Schweizer Künstler San Keller zum vierten Mal mit dem Leiter des Fridericianums, Rein Wolfs, an einem Tisch und lässt die Zuhörer in der Rotunde der Kunsthalle am Vorbereitungsgespräch für eine mögliche Ausstellung teilhaben.

Der Dialog unter dem Titel „Pre-, Preview“ ist, wie Wolfs erläutert, Teil der Performance, eine Art öffentliches Kuratieren. Das Gespräch bei Streuselkuchen und Espresso befasst sich dann auch mit den Ideen einer Ausstellung, behandelt Fragen des Budgets und des Ausstellungsortes. Denn, so Wolfs, „im documenta-Jahr 2012 haben wir keinen Etat“. Es geht also um eine Kunsthallen-Ausstellung im Jahr 2013 oder 2014.

San Keller, der in St. Gallen mit 62 Künstlern ein Exil-Parlament einberufen hatte, das die Beschlüsse des Stadtparlaments mitdiskutierte, hat da eine weitergehende Vision für Kassel. In einer Art „Sitzungszimmer“ will er zur documenta 13 als Besucher anreisende Künstler einladen, ein gemeinsames Projekt zu entwickeln, das mehr Offenheit vorgibt als sonst üblich im Kunstbetrieb. Die Filme über die aufgezeichneten Gespräche sollten dann als „Script“ Grundlage der geplanten Ausstellung werden. San Keller zu Wolfs: „Die Künstler liefern die Vorlage, der Kurator kann sie dann umsetzen. Ich will dich da nicht ausschließen.“ Das offene Format einer „kollektiv verhandelten Kreativität“ findet das Interesse von Rein Wolfs, doch es müsse eben auch gewährleistet sein, dass der Kurator die Möglichkeit zur Auswahl hätte, damit eine „ästhetische Handschrift“ entstehe.

Wo bleibt Qualität?

Im weiteren Gespräch kristallisiert sich so ein Problemfeld heraus: Während San Keller in seinen Visionen immer wieder die Offenheit des Projekts auch bei der Zufälligkeit der anreisenden Künstler („keine Auswahl“) umkreist, zielen Wolfs’ Fragen und Einwände auf „die künstlerische Qualität“ ab. „Ich weiß nicht, in welche Richtung es gehen soll?“

Dennoch: Die heiße Phase einer Ausstellung, die mit dem Titel „Sitzungszimmer“ nur vorläufig umrissen ist, scheint eingeläutet. Künstler und Kurator trinken noch einen Espresso.

Von Juliane Sattler

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