Der Musiker wird 75 Jahre alt

Peter Kraus: „Ich wollte nie der rebellische Rocker sein“

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Peter Kraus

Dass selbst der ewig junge Peter Kraus älter wird, merkt „der deutsche Elvis“ unter anderem auf Tour. „Früher bin ich oft nach meinen Musikern ins Bett, heute vor ihnen“, sagt der Sänger und Schauspieler, der am Dienstag 75 wird.

„Das Beste kommt zum Schluss“ heißt seine große Abschiedstour, mit der der Rock’n’Roller im Oktober auch nach Kassel kommt. Wir sprachen mit Kraus.

Herr Kraus, wollen Sie sich wirklich für immer von der Bühne verabschieden? Sie sehen doch noch so fit aus. 

Peter Kraus: Meine Figur ist ein Geschenk Gottes, das ist richtig. Von der Bühne werde ich mich allerdings noch nicht verabschieden, sondern nur vom Tourleben, das doch an den Kräften zehrt. Mein Entschluss hat mit einer gewissen Ängstlichkeit zu tun. Man weiß nicht, wie der letzte Lebensabschnitt wird. Ich möchte mir nicht irgendwann den Vorwurf machen, nicht genügend Zeit für die Familie und die Hobbys gehabt zu haben.

Für Ihr neues Album haben Sie aktuelle Hits im Rock’n’Roll-Stil gecovert. Wie haben Sie die Hits von Künstlern wie Marteria und Tim Bendzko ausgewählt? 

Kraus: Die Produzenten der Baseballs, die ja schon länger Lieder auf Englisch covern, hatten die Idee, das auch einmal auf Deutsch zu machen. Da bin ich natürlich der geeignete Mann. Ich bin quasi der Einzige, der diese Zeit bis heute überlebt hat. Es gibt sehr viele Songs, die mir gefallen, aber man muss natürlich schauen, welche Songs man harmonisch in diese Zeit bringen kann. Natürlich wollte ich Songs von Künstlern dabeihaben, die ich verehre - wie Udo Lindenberg und die Prinzen. So ist es eine schöne Mischung geworden.

Es ist bald 60 Jahre her, als Sie zum ersten Mal Bill Haleys „Rock Around The Clock“ gehört haben. Wissen Sie noch, was Sie damals gedacht haben? 

Kraus: Ich wusste gleich, dass das der Wahnsinn ist. Damals hatte ich Gitarrenunterricht bei einem Jazzlehrer. Die Musik, die ich liebte, kam aus den USA - von Gene Kelley bis Fred Astaire. Mit dem Rock’n’Roll wurde mir klar: Jetzt kommt endlich eine Musik für uns junge Leute mit drei Harmonien. Man musste sich nicht mehr abquälen, wenn man die Songs nachspielte. Wir hatten bis dahin nur die Musik gehört, die uns von unseren Eltern empfohlen wurde. Plötzlich war da etwas völlig Neues. Es war eine Revolution.

Junge Leute können sich das nicht mehr vorstellen. Selbst Zeilen wie „Sugar-Sugar Baby, sei doch lieb zu mir“ galten als rebellisch. 

Kraus: Dazu gibt es eine irre Geschichte. Ich war damals bei einer Diskussion in einer katholischen Schule in Zürich, wo man mir vorwarf, dass das Lied jugendverderbend sei. In dem Vers singe ich: „Ich kenn Susi und Madeleine, kenn die Mary und die Jane, auch Mary ist bezaubernd und nett.“ Das sei Vielweiberei, hieß es. Heute lacht man sich darüber tot.

Sie waren auch der sympathische Schwiegersohn. Einmal haben Sie gesagt: „Ich hätte lieber fetzigen Rock’n’Roll gemacht.“ Hätten Sie gern etwas anders gemacht in Ihrer Karriere? 

Kraus: Nein, man kann sich in einer Karriere nicht nur nach den eigenen Wünschen richten. Nach den erfolgreichen Kinofilmen mit Conny Froboess war ich natürlich der liebe Schwiegersohn. Ich wollte auch nie der rebellische Rocker sein. Ob die Musik Rock’n’Roll, was Schnulziges oder Walzer war, war mir eigentlich egal. Ich wollte vor allem ein Gefühl vermitteln. Ich sagte den Jugendlichen: „Hört nicht immer so auf eure Eltern. Traut euch mal, Nein zu sagen.“

Wenn Sie noch einmal jung wären: Würden Sie lieber wieder in den 50ern von vorn anfangen oder eher heute? 

Kraus: Wenn schon, dann in den 50ern. Heute stelle ich es mir wahnsinnig schwer vor. Oder ich würde mich für einen anderen Beruf entscheiden. Ich wäre zum Beispiel genauso gern Rennfahrer geworden.

Sie leben in der Schweiz und nicht im geliebten Bayern - aus Steuergründen. Haben Sie ein schlechtes Gewissen? 

Kraus: Das mit den Steuergründen stimmt nicht. Ich bin ja schon mit 19 in die Schweiz gegangen. Damals waren es noch Steuergründe, aber bei den Wechselkursen heute ist das kein Vorteil mehr. Ich bin fasziniert von der Verbindung aus bayerischen Alpen und italienischem Flair. Zudem wurde das Wasserskifahren in Bayern schon früh verboten. Am Luganer See kann ich heute noch fahren, wie ich will.

 

Peter Kraus: Zeitensprung (Universal). Wertung: vier von fünf Sternen

Peter Kraus live: 19. Oktober, Kasseler Stadthalle. HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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