„Ich wuppe es allein“: Sängerin Christina Lux über ihre Rückkehr nach Kassel

Gastiert beim Saitenzauber-Festival im Schlachthof: Die Wahl-Kölnerin Christina Lux (46). Foto: Jim Rakete

Christina Lux wohnt schon lange in Köln, ist aber weiterhin auch eine Kasseler Musikerin. In Nordhessen hat die 46-Jährige lange gelebt. Am Donnerstag gastiert die Sängerin und Gitarristin beim Saitenzauber-Festival im Kulturzentrum Schlachthof.

Frau Lux, Sie haben Ihr Album „Playground“ genannt, weil Sie Ihren Spielplatz neu entdecken, nachdem Ihre erwachsene Tochter das Haus verlassen hat. Was hat sich für Sie verändert?

Christina Lux: Es fallen jetzt viele Sachen weg, die man früher erledigen musste. Das gibt Freiraum. Ich kann jetzt zum Beispiel länger auf Tour sein. Erich Kästner hat einmal gesagt, dass es nie zu spät ist für eine glückliche Kindheit. Das finde ich einen schönen Satz.

Ist die Musik Ihr Spielplatz?

Lux: Ja, ich gehe da immer sehr verspielt ran. Ich bin Autodidaktin, kann keine Noten lesen und weiß oft auch nicht, wie die Akkorde heißen.

Die neuen sparsam instrumentierten Songs zwischen Pop, Folk und Jazz haben Sie mit dem Dresdner Gitarristen Reentko im Waldhausstudio in der Altmark aufgenommen. Das klingt nach großer Einsamkeit.

Lux: Stimmt, das Studio in Birkholz liegt am Waldrand. In dem riesigen Garten stand eine große Regentonne, aus der Reentko eine Bassdrum gebastelt hat. Wir hatten noch mehr ungewöhnliche Instrumente. Trotzdem klingen die Songs sehr intim. Wir wollten so nah wie möglich an dem akustischen Gefühl bleiben.

Sind Sie noch Kasselerin?

Lux: Mittlerweile bin ich mehr Kölnerin, aber ich bin in Kassel groß geworden, und ein Teil meiner Familie lebt noch hier. Nordhessen ist meine zweite Heimat. Deshalb ist das Konzert im Schlachthof etwas Besonderes. Ich mag das Kulturzentrum und sein Programm sehr. Das Saitenzauber-Festival etwa holt auch spannende Frauen nach Kassel.

Auf Tour sind Sie auch Fahrerin, Technikerin, Roadie und Merchandiser. Musikerin muss ein sehr harter Beruf sein.

Lux: Das mache ich gern. Mit Ausnahmen kann ich seit 1989 von meiner Musik leben - und das, obwohl ich den unkommerzielleren Weg gegangen bin. Ich mache die Musik, die mir wichtig ist und aus meiner Seele kommt. Das geht nur mit dem Eine-Frau-Business-Gedanken. Ich wuppe es allein und werde dafür mit besonderen Momenten belohnt. Meine Konzerte sind nicht riesengroß. Meist kommen zwischen 100 und 150 Besucher. Da nimmt man alles viel bewusster war.

Wem gehört die Kinderstimme, die im „Mothersong“ von der „Supermama“ singt?

Lux: Meiner Tochter. Sie war mit sechs auf einem Mini-Album zu hören. Jetzt ist sie 20 und studiert Naturwissenschaften. Mit dem Song bedanke ich mich für die Zeit mit ihr.

Saitenzauber-Festival im Kulturzentrum Schlachthof mit Christina Lux, der Norwegerin Kerstin Blodig und Ian Melrose, die das Duo Kelpie bilden: Donnerstag, 20.30 Uhr.

Das Album „Playground“ ist bei Prudence erschienen.

Von Matthias Lohr

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