Neu im Kino: „8th Wonderland“ entwickelt die Utopie eines Internet-Staates

Ideale weichen Terrorismus

Macht aus dem Internet: David (Robert William Bradford) soll als Sprecher die Glaubwürdigkeit des interaktiven Staates bewahren. Foto: Verleih

Empfängnisverhütung gibt es jetzt auch beim Papst. Denn der Vatikan wird mit Kondomautomaten bestückt. Dann wird ein Truthahn als Geisel genommen, um auf die Todesstrafe aufmerksam zu machen. Verantwortlich für diese Aktionen sind die Mitglieder des Internet-Staates „8th Wonderland“.

Hunderte haben sich im Internet zur geheimen, virtuellen Gemeinschaft verbündet. Gemeinsam entscheiden sie demokratisch im Chat, welche Guerilla-Ideen sie umsetzen können, um endlich für Taten zu sorgen, statt Politikern zuzuhören. Die Öffentlichkeit interessiert sich bald immer mehr für „8th Wonderland“.

Das nutzt Hochstapler John McLane (Matthew Géczy), um sich als Sprecher der Gemeinschaft auszugeben. Dann wird es ernst: Zum offiziellen Sprecher wird Mitglied David (Robert William Bradford) gewählt. Als die Community einen Staatschef zur Hinrichtung freigibt und Kinder von Politikern mit Aids infiziert, verwandeln sich die Ideale in terroristische Taten.

Der Polit-Thriller des französischen Regie-Duos Jean Mach und Nicolas Alberny zeigt eine Utopie im Zeitalter des Web 2.0 – der virtuelle Staat versucht sich an der Perfektion der Demokratie. Die Idee ist gut. Weil sie nicht alltäglich ist. Doch an der Umsetzung hapert es.

Besonders bei der Darstellung der Internet-Konferenzen mangelt es schlicht an technischer Professionalität. Der Chatroom wird grafisch mit völlig veralteten Effekten dargestellt. Ergebnis: Der Low-Budget-Film gibt dem virtuellen Raum eine unfreiwillig komische Rückständigkeit. Zudem fällt es schwer, der Handlung zu folgen. Zwischen den Szenen gibt es einfach zu viele Sprünge. Mach und Alberny, die auch das Drehbuch schrieben, gönnen ihren Figuren keine Persönlichkeit. Die Charaktere werden im besten Fall skizziert. Das ist – leider – gewollt: Jeder Akteur soll eben nur für ein Land oder eine bestimmte Meinung stehen.

Genre: Polit-Thriller

Altersbeschränkung: ab 12

Wertung: !!:::

Regisseur Nicolas Alberny ist heute ab 21 Uhr zu Gast im Kasseler Filmladen, Goethestr. 31.

Von Dorothea Backovic

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