Dejan Terzics „Underground“ beim Jazz im tif

Idiome des Balkans

Gutes Team: „Underground“ mit (v. l.) Tino Derado (Akkordeon), Brad Shepik (Gitarre), Julian Arqüelles (Saxofon), Henning Sieverts (Bass) und Dejan Terzic (Schlagzeug). Foto: Schachtschneider

Kassel. Underground klingt verwegen. Der Bandname des Quintetts um den Schlagzeuger Dejan Terzic beschreibt aber vielleicht nicht so sehr Aufsässigkeit, als vielmehr die unter- und hintergründige Suche nach den musikalischen Wurzeln, in diesem Falle der musikalischen Idiome des Balkans.

Dejan Terzic (in Banja Luka/ Bosnien geboren), der im gut besuchten tif in erster Linie seine aktuelle CD „Diaspora“ vorstellte, nähert sich dem musikalischen In-Thema Balkan, ohne den Rahmen des zeitgenössischen Jazz zu verlassen, aber mit viel Witz und Originalität.

Das Titelstück der CD nimmt sich Zeit, um aus einem zentralen Tonfundament verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten auszuloten – das folkloristischste Instrument ist dabei natürlich Tino Derados Akkordeon, dem er klarinettenartige Sololinien, aber auch dezente Flächen entlockt.

In „The Circus“ entwickeln die vertrackten zusammengesetzten Taktarten eine fast tranceartige, von Dejan Terzics souveränem Schlagzeugspiel zusammengehaltene, Klanglandschaft, über der sich strahlend Julian Arqüelles Sopransaxofon erhebt. Die Ballade „Belonging“, an diesem Abend der jüngst verstorbenen Schlagzeuglegende Paul Motion gewidmet, wird von einem eindrucksvollen Bass-Solo von Henning Sieverts eingeleitet, um dann in einen eleganten, kompakten Bandsound überzugehen. In dem humoristisch anmoderierten „Criminals come and go“ steuert Brad Shepiks mit Effekten leicht modulierte E-Gitarre zupackende, Jazz-Rock-Linien bei.

Ein vielfältiges Konzert, das auch Dejan Terzics Qualitäten als Komponist demonstrierte und mit feinen Klangkombinationen und ungewöhnlichen Rhythmen ein inspirierendes Jazz-Fenster öffnete.

Von Hartmut Schmidt

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