Idole: Behinderte und Nichtbehinderte spielen Theater

Choreografie um Nähe und Distanz: Jan Bobke und Morgane de Toeuf in dem Stück „Idole“.

Kassel. Einmal im Scheinwerferlicht stehen, einmal in eine andere Rolle schlüpfen - davon träumen viele. Doch es gehören vor allem Mut und Stärke dazu, sich den kritischen Blicken eines Publikums auszusetzen und eine Rolle zu spielen, die nichts mit der eigenen Person zu tun hat.

Solchen Mut und Stärke bewiesen am Donnerstagabend die acht Laienschauspieler mit geistiger Behinderung (Helge Ahrens, Jan Bobke, Jakob Briehle, Lisa Matthäus, Anna Meißner, Benjamin Türk, Carola Welter und Karin Zeumer), die gemeinsam mit vier professionellen Bühnenkünstlern (Helge Gutbrod, Odilie Kennerknecht, Gunnar Seidel und Morgane de Toeuf) die Premiere ihres Stücks „Idole“ im Dock 4 feierten und dafür viel Applaus und Standing Ovations erhielten.

Anhand von Motiven aus der Filmhandlung „Mädchen in Uniform“ von Christa Winsloe werden unter der Regie von Gunnar Seidel Szenen erprobt und mit der eigenen Person verglichen. Wie hat sich das angefühlt, jemand anderen zu spielen? Wo saß das Gefühl? Die Grenze zwischen Fiktion und Realität wird dabei von dem Ensemble immer wieder neu ausgelotet. Wie bei der dreimaligen Wiederholung einer Szene aus dem mit preußischer Strenge geführten Mädcheninternat oder in verschiedenen Einzelszenen im Scheinwerferlicht auf der Bühne. Jan Bobke und Morgane de Toeuf zeigten eine gefühlvoll poetische Choreografie, die sich um die Suche nach Nähe und Distanz dreht und beim Publikum eine Gänsehaut hinterlässt.

Ein weißes Zelt auf der Bühne dient den Schauspielern als Rückzugsort, welches den Darstellern auch während der laufenden Vorstellung offen steht, wenn sie nicht mehr mitmachen wollen. Das soeben auf der Bühne Erlebte und Dargestellte wird in Live-Interviews besprochen. Wie habe ich mich gefühlt? Wie fühlt sich das an, in eine andere Rolle zu schlüpfen?

Für das Publikum wird das Innere des Zeltes per Videoprojektion auf die Außenseite übertragen. So entsteht ein dokumentarisches Schauspiel, welches die Rolle des Schauspielers in allen Facetten beleuchtet und ein sehr emotionales Spiel zwischen Schein und Wirklichkeit erzeugt.

Das Projekt ist eine Kooperation der Lebenshilfe Region Kassel und dem Brachland-Ensemble, einem Netzwerk von professionellen Theater- und Kulturschaffenden unter anderem aus den Bereichen Schauspiel, Regie, Tanz, Kulturwissenschaften und Performance.

Weitere Aufführungen am 9., 10., 15., 16. und 17. Februar, jeweils 19 Uhr, im Dock 4. Karten unter 0561 / 787 2067.

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