Der frühgriechischen Kultur der Kykladen ist in Karlsruhe eine fesselnde Schau gewidmet

Idole einer neuen Zeit

Aufs Wesentliche reduziert: Zwei frühkykladische Marmorfigurinen, die Harfenspieler darstellen (2700-2400 v. Chr.), Badisches Landesmuseum Karlsruhe. Foto: Goldschmidt/nh

Vor rund 5000 Jahren begann mit der Kultur der Kykladen, einer griechischen Inselgruppe in der Ägäis, ein neues Zeitalter. Es erfasste bald den gesamten europäischen Raum: die Bronzezeit. Vieles trat dort erstmals in Europa auf, wie Kuratorin Katarina Horst erläutert: „Zum ersten Mal wird das Metall Bronze für Werkzeuge und Waffen verwendet, zum ersten Mal benutzt man zur Kennzeichnung von Gütern und Besitzverhältnissen gestempelte Zeichen, eine klare Vorstufe der Schrift, zum ersten Mal findet die Töpferscheibe Verwendung, zum ersten Mal wurde die Gesellschaft weit aufgefächert in Berufe und Spezialisierungen.“

Katarina Horst hat eine fesselnde Ausstellung im Karlsruher Schloss gestaltet, die der frühbronzezeitlichen Kultur gewidmet ist. Aufgeboten sind 200 Gefäße und andere Leihgaben. Zwischen den bronzenen Waffen steht ein kleiner, aus Marmor gefertiger Krieger stramm, der einen Dolch in der Hand hält.

Minderheit Männer

Allein schon wegen seines Geschlechtes ist er eine große Rarität: Nur etwa zwei Prozent der so genannten „Kykladenidole“ stellen Männer dar. Mehr als die Hälfte der Figuren ist weiblich, ein Prozent zweigeschlechtlich, der Rest geschlechtsneutral. Die vielköpfige Versammlung der Kykladenidole (3200-2250 v. Chr.) ist die Hauptattraktion der Schau.

Die stets stark auf das Wesentliche vereinfachten, fast immer nackten Figuren sind wenige Zentimeter bis über einen Meter groß und gehören unterschiedlichen Typen an. Die Kuratorin beurteilt sie als Mittler zwischen den Menschen und der göttlichen Welt. Ein ganz besonderer Blickfang zwischen den sich passiv präsentierenden Figuren sind die aktiven Gestalten. In einer Vitrine wird von zwei sitzenden Harfenspielern und einem stehenden Mann, der eine Panflöte an die Lippen geführt hat, Musik gemacht.

In einer anderen Vitrine geht es akrobatisch zu. Das so genannte „Doppel-idol“ besteht aus einer kleinen Figur, die auf dem Kopf einer größeren steht.

Zur „Idolgruppe“ haben sich zwei Männer zusammengefunden, die eine auf ihren Armen sitzende Frau emporheben. Ein Marmorkopf, dessen Wangen senkrechte rote Streifen zieren, weist darauf hin, dass die Idole früher bemalt waren.

Am Ende des Rundgangs begegnen die Besucher einem berühmten Stück: Dem aus dem Louvre angereisten Kopf eines Kykladenidols, das vermutlich etwa 150 Zentimeter groß war. Der flache Kopf mit der aus dem Gesicht vorspringenden Nase und den an den Hinterkopf angelegten Ohren wurde schon von Picasso bewundert und inspirierte das Schaffen etlicher Bildhauer.

Das veranschaulicht die Ausstellung unter anderem mit Alexander Archipenkos mit „Nackter Mutter und Kind“ (1980).

Bis 22. April im Badischen Landesmuseum, Schlossbezirk 10, Karlsruhe. Di - So 10-18 Uhr. Infos: Tel. 0721/92 62 828, www.landesmuseum.de

Von Veit-Mario Thiede

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