Igel gegen Hasen: Die Kritik zum Wiener "Tatort"

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Viel Arbeit: Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser).

Eine Nummer zu groß: So findet unser Kritiker Mark-Christian von Busse den "Tatort" aus Wien.

Irgendwann kroch im Wiener „Tatort: Deckname Kidon“ ein Igel über die Straße. An den Wettlauf von Hase und Igel erinnerte der Fall um einen toten iranischen Spitzenbeamten – und dass das betuliche österreichische Landeskriminalamt das Rennen gegen eine Mossad-Spezialeinheit verlor, war konsequent und glaubwürdig.

Wien als Drehscheibe der Diplomatie, ein Verstoß gegen das Embargo des iranischen Atomprogramms, die Verwicklung von Geheimdiensten – all das erwies sich allerdings als eine Nummer zu groß für diesen „Tatort“ von Thomas Roth. Vieles an Max Grubers Story wirkte unrealistisch, aufgesetzt, manches blieb zäh. Dass man gern zusah, lag allein an den Kommissaren, Grantler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und der aufgeweckten Bibi Fellner (Adele Neuhauser).

Dabei stellte der Krimi eine wichtige Frage: Sind die Behörden, ohne Geld, ohne Beziehungen, an Regeln gebunden, wie es der zwielichtige, als Klischee gezeichnete Lobbyist Leopold Trachtenfels-Lissé (Udo Samel) ausdrückte, dem international vernetzten Verbrechen gewachsen? Das traurige Bild des in Akten erstickenden, einsamen Staatsanwalts ging einem nicht aus dem Sinn. Ein Igel, der gegen kriminelle Hasen alt aussieht.

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