Die alten Rockhelden von Blood, Sweat & Tears erspielten sich schnell die Sympathien im Kulturzelt

Bei ihnen verstaubt nichts

Sie hatten Spaß und Können im Gepäck: Sänger Rob Paparozzi (links) mit seinen Bandkollegen von Blood, Sweat & Tears. Fotos: Schachtschneider

Kassel. „Vor 35 Kilo, äh, vor 35 Jahren wollte ich sagen.“ Steve Katz trägt das Altern mit Humor. Nur einmal wird er während des Konzertes mit seiner Band Blood, Sweat & Tears im ausverkauften Kasseler Kulturzelt sentimental. Als er ganz allein nur mit Gitarrenbegleitung davon singt, wie er damals mit Bob Dylan und Richie Havens immer nach deren Auftritten im New Yorker Café „Au Go Go“ bei mehreren Gläschen Wein über Gott und die Welt diskutierte.

Schluss und Aus, die Zeiten sind vorbei. Das hat Katz zur Kenntnis genommen, doch das ist kein Grund, die alten Hits und den alten Sound im CD-Regal verstauben zu lassen. Er ist wieder einmal mit einer grandiosen Formation auf Tournee und füllt immer noch mittelgroße Hallen.

Blood, Sweat & Tears hatten Glück. 1970 spülte sie ihr drittes Album bis auf Platz eins der US-Charts. Und das mit einer Musik, die man oberbegrifflich nicht zu fassen bekam. Jazz, Blues, Funk, Pop, Rock, Country, Swing. Eine Band, die einem bei dem Versuch, sie zu charakterisieren, wie ein glitschiger Fisch aus den Händen springt. Weil man sich diesem Stilmix immer treu geblieben ist, war es dann auch schnell vorbei mit der kommerziellen Herrlichkeit.

Live haben solche Bands aber richtig viel Spaß und Können im Gepäck. Zum Beispiel Sänger Rob Paparozzi. Ein Robert-de-Niro-Verschnitt mit einer gegelten Stimme, die zwischen Wilson Pickett und Meat Loaf keine Fragen offen ließ. Oder das Bläserquartett um Trompeter Steve Jankowski. Im Satz brillant und solistisch jeder eine Hausnummer.

Gerade bei „Spinning Wheel“ und „Go down gamblin’“ kam der Blechparty-Gourmet voll auf seine Kosten. Quirlige Slapeinlagen von Bassist Gary Foote und ein von Duke Ellington inspirierter Glenn McClelland an den Keyboards brachten auch bei den Bearbeitungen von „Got to get you into my Life“ (Beatles) und „Burning down the house“ (Talking Heads) viel Schwung unter das Zeltdach. So stand der Abend ganz im Zeichen einer abwechslungsreich aufbereiteten 70er-Jahre-Nostalgie, die das Publikum begeisterte und den Musikern sichtlich Freude bereitete.

Kulturzelt, heute: Incognito. Samstag: Sierra Maestra. Sonntag: Gil Scott-Heron. Beginn jeweils 19.30 Uhr.

Von Andreas Köthe

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