Interview mit dem französischen Kabarettisten Alfons, der durch seine Straßenumfragen bekannt wurde

„Ihr erstaunt mich immer wieder“

Vellmar. Der Kabarettist Alfons aus Frankreich alias Emmanuel Peterfalvi kommt mit seinem Puschel-Mikrofon am Freitag, 20 Uhr, in die Gesamtschule nach Vellmar (Kreis Kassel). Wir sprachen mit ihm über sein Bühnenprogramm, Frauen und Atomkraftwerke.

Sie versuchen in Ihrem aktuellen Bühnenprogramm „Mein Deutschland“, die Deutschen zu verstehen. Was muss man sich darunter vorstellen?

Alfons: Ich bin seit 20 Jahren in Deutschland. Als ich hier angekommen bin, habe ich gesagt, ich werde so lange bleiben, bis ich die Deutschen verstanden habe. 20 Jahre später bin ich immer noch hier – meine Mission ist also noch nicht abgeschlossen. Das Programm ist eine Art Zwischenbilanz. Dort gibt es einen Blick auf Deutschland und die Deutschen, ein Land, das ich mittlerweile liebe, aber immer noch nicht ganz verstehe.

Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Alfons: Positiv. Sonst wäre ich ja nicht so lange geblieben. Masochistisch bin ich nicht. Aber ihr erstaunt mich immer wieder. Das ist angenehm. So habe ich keinen langweiligen Alltag. So etwas wie einen Schrebergarten oder eine Behörde – wo ihr denkt: Oh, wie schrecklich – da geh ich hin und guck mir das an und das macht Spaß. Und das ist eben mein Deutschland.

Wie sieht das auf der Bühne aus?

Alfons: Auf der Bühne erzähle ich, wie man Spaß in einer Behörde haben kann, was es für Unterschiede zwischen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy gibt und warum sich die beiden zurzeit so sehr lieben. Und immer dann, wenn ich das Gefühl habe, dass die Leute mir etwas nicht glauben, dann baue ich eine Leinwand auf und zeige die Szenen, die ich bei meinen Erlebnissen gedreht habe, als Beweis. Allerdings interviewe ich nicht das Publikum. Versprochen. Das muss ich immer sagen, sonst kommen die Leute nicht.

Was ist eine typische Eigenheit der Deutschen, über die die Franzosen lächeln?

Alfons: In Frankreich sind rote Ampeln nur ein Vorschlag. In Deutschland dagegen gibt es nicht nur rote Ampeln für Autos, sondern auch noch für Fußgänger. Das hat mir am Anfang schon Probleme bereitet. Denn ich habe nicht verstanden, dass man als Fußgänger bei roter Ampel halten muss – auch wenn kein Auto kommt und es regnet und man hat keinen Schirm dabei und ist im T-Shirt unterwegs. Aber mir wurde erklärt, dass man dies als Vorbild für die Kinder macht. Das heißt, wenn es regnet und es kommen keine Autos, musst du bei Rot stehen bleiben, damit die Kinder lernen, wie man sich vorbildlich eine Lungenentzündung einfängt.

Was hat Sie dazu bewogen, nach Deutschland zu kommen?

Alfons: Ich musste meinen Militärdienst ableisten und wollte nicht. Da gab es ein Schlupfloch. Man konnte bei einem französischen Unternehmen im Ausland seinen Militärdienst machen. Ich habe beim Pay-TV-Sender Kanal+ gearbeitet, und die haben den Pay-TV-Sender Premiere in Deutschland mit aufgebaut. So kam ich als Militärdienstleistender nach Hamburg.

Haben Sie dann eine deutsche Frau geheiratet?

Alfons: Nein. Eine Französin. Da bin ich traditionell. Ich bin ja auch Franzose. Ich will mich zwar möglichst viel integrieren, aber es gibt Bereiche, da bleibe ich Franzose. Beispielsweise bei der Erotik und beim Essen.

Sie sind in Deutschland durch Ihre Straßenumfragen im Fernsehen mit dem Puschel-Mikrofon bekannt geworden. Wie ist es zu den Umfragen gekommen?

    Alfons: Ich habe mal diese Jacke gefunden und am nächsten Tag haben wir gedreht und es hat geregnet. Und meine Zettel waren dadurch komplett unlesbar geworden, sodass ich konzeptlos war. Das war das Beste, was mir passieren konnte. Denn ich bin nur dann gut, wenn ich kein Konzept habe. Dann waren meine Haare nass, der Tonmann hat sich beschwert, und so bin ich zu dem Puschel-Mikro gekommen und die Figur Alfons war geboren.

Wie sehen Sie die Franzosen heute?

Alfons: Ein paar Dinge mag ich an ihnen sehr, einige andere Sachen finde ich merkwürdig. Beispielsweise ihre Haltung zu Atomkraft und Mülltrennung. Manchmal hat man das Gefühl, dass den Franzosen das Thema Atomkraftwerke so lange egal ist, wie die Frösche im Dunkeln nicht leuchten.

„Alfons: Mein Deutschland“, Freitag, 9. Dezember, ab 20 Uhr, Gesamtschule Vellmar. Karten: 0561/203 204.

Von Michael Schorn

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