Imitat mit Kampfgeist: Im Musiktheater trat die Rammstein-Tribute-Band Stahlzeit auf

Große Geste: Stahlzeit-Sänger Heli Reißenweber klingt wie Rammstein-Frontmann Till Lindemann und sieht ihm auch ähnlich. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Es benötigte einige Songs, bis der Funke auf das Publikum übersprang. Aber mit dem Rammstein-Hit „Mein Herz brennt“ aus dem Jahr 2001 gelang es der Rammstein-Tribute-Band Stahlzeit das Eis beim Publikum zu brechen. Die dunkel gekleidete Menge im rappelvollen Musiktheater setzte sich in Bewegung, wiegte sich schwer zu den brachialen Rockklängen und träumte gemeinsam mit den sechs Musikern dunkle Träume von Fleischgeruch, Sadismus und Kannibalismus.

Die schwerste Aufgabe einer Rammstein-Coverband kommt mit Abstand dem Sänger zu. Heli Reißenweber klingt nicht nur wie Rammstein-Frontmann Till Lindemann, er sieht ihm auch ähnlich. Die Imitation der martialischen Lindemann-Mimik und Gestik wirkt zu Beginn des Konzerts bemüht. Fast möchte man Mitleid mit Reißenweber haben. Denn sein gutes Imitat macht den Unterschied zum charismatischen Original erst recht spürbar.

Stahlzeit spielen alle großen Rammstein-Hits: „Du riechst so gut“, „Sonne“, „Du hast“, „Benzin“, „Keine Lust“, „Ich tu dir weh“. In der Zugabe nach einem mehr als zweistündigen Konzert kommt endlich der Song „Engel“, der es 1997 auf Platz 3 der deutschen Charts schaffte. In ihrer musikalischen Rammstein-Interpretation geht es Stahlzeit um größtmögliche Nähe zum Original. Nur in wenigen Songs setzen sie eigene Akzente. In die Stahlzeit-Bühnenshow sind alle wichtigen Rammstein-Traditionen untergebracht. Zum Kannibalen-Song „Mein Teil“ erscheint Heli Reißenweber als Metzger auf der Bühne und kocht Keyboarder Thilo Weber in einem überdimensionalen Suppentopf. Bei der namensgebenden Katastrophen-Hymne „Rammstein“ zündet sich der Sänger selbst an. In einem Schlauchboot wird über die Menge gefahren, die Pyrotechnik lässt Funken sprühen und Flammen an die Decke schlagen. Musikalisch erreichen Stahlzeit nicht die satte Tiefe des Originals. Eine Zwischenansage von Heli Reißenweber interessiert niemanden. Alles in allem meistern Stahlzeit aber ihre schwierige Mission und entlassen zufriedene Rammstein-Fans.

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