Immer am Anschlag: Die Alternative-Rock-Band Donots

Machen Stimmung: Sänger Ingo Knollmann (von links), Alexander Siedenbiedel und und Jan-Dirk Poggemann. Foto:  Malmus

Kassel. Der Stadt, in der man gerade spielt, das Gefühl zu geben, sie sei die großartigste der Tour, gehört zum Alltagsgeschäft jeder durch die Lande ziehenden Band. Aber kaum jemand bekommt das so überzeugend hin wie die Donots.

„Ein inneres Blumenpflücken“ sei es ihnen, wieder hier zu sein, ruft Sänger Ingo am Donnerstagabend den 700 Besuchern im Musiktheater zu. „Alright Kassel, dann lasst uns mal tanzen!“ Und Kassel tanzt. Noch bei der Vorband Atlas Losing Grip stand das hohe Tempo der Musik im eigenartigen Kontrast zum dezenten Kopfnicken ringsum. Der straighte Melodic Hardcore der Schweden war dem Publikum vielleicht zu ernst, zu pathosgeladen. Mit Pathos geizen auch die Donots nicht, aber jede Pose kommt mit einem fetten Grinsen daher. Als Einstieg wählt das seit 17 Jahren auf der Bühne stehende Quintett den hymnischen Song „Calling“; beim Refrain zu bombastischen 80er-Jahre-Synthiefanfaren sind sofort alle Arme oben, ein Hauch von Stadionrock weht durch die Halle.

Die auf zwei Podesten herumturnenden Brüder Ingo und Guido Knollmann (an der Gitarre) sind Rampensäue, immer in Bewegung, immer am Anschlag und immer hundertprozentig dem Publikum zugewandt. Da wird ein Lied auch mal abgebrochen, um unter großem Hallo ein eingequetschtes Mädchen hinter die Absperrung zu holen, oder ein paar verfrühte „Zugabe“-Rufe werden dankbar aufgegriffen und zum Running Gag des Abends gemacht.

Ab „Pick Up The Pieces“ folgt ein knackiger Dreiminüter auf den nächsten. Das Livespiel nivelliert ein wenig die Unterschiede zwischen den frühen Pop-Punk-Nummern à la Green Day oder Blink 182 und dem differenzierteren Material der aktuellen LP „Wake the Dog“. Aber mitgrölen lässt sich das alles prima.

Beim Twisted-Sister-Cover „We’re not gonna take it“ singt Ingo von der Tanzfläche aus, getragen von Dutzenden von Händen. Nach diesem Höhepunkt wird es mit „So Long“ melancholisch.

Und nur weil die Kasseler so hartnäckig sind, bekommen sie am Ende der zwei Stunden noch einen zweiten Abschiedssong obendrauf. „Das haben wir auf der ganzen Tour noch kein einziges Mal gemacht.“ Und das glaubt man den Jungs aufs Wort.

Von Fabian Fröhlich

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