Die belgische Band Mintzkov und ihr später Auftritt im Kulturzentrum Schlachthof

Immer die gleiche Abgehmusik

„Wir sind aus dem Land, das eben gegen Deutschland verloren hat“: Mintzkov-Frontmann Phillip Bosschaerts. Foto: Schachtschneider

Kassel. „Wir sind die Band aus dem Land, das eben gegen Deutschland im Fußball verloren hat.“ Mal eine andere Art sich dem Publikum vorzustellen, die Mintzkov-Sänger und Frontmann Phillip Bosschaerts am Freitag vor 60 Besuchern im Kulturzentrum Schlachthof versuchte. Sinngemäß. Denn was Englisch klingen sollte, klang eher wie Nuschel-Flämisch mit englischem Akzent.

Aber schon dafür gab es die ersten Sympathiepunkte vom Publikum. Zuvor hatte eigentlich die Formation „The Ghost“ von den Färöer-Inseln spielen sollen, doch die hatte Pech mit ihrer Fähre.

Und so gab es im Vorprogramm das EM-Qualifikations-Match der Bundeskicker auf Großbildleinwand. Der Anpfiff für Mintzkov kam daher erst um 22.45 Uhr. Ein bisschen spät, aber die Musik, das aktuelle Album „Rising sun, setting sun“ im Gepäck, entschädigte für die Wartezeit – überwiegend zumindest.

Bei Mintzkov stehen Indie-Rock-Pop-Melodien und leicht episch anmutende Klangströme im Vordergrund. Die Post geht dabei ab, die Melancholie versinkt nicht im Schmalztiegel. Dafür ein dickes Lob. Auch wenn Keyboarder Pascal Oorts die Gesangslinien bisweilen doppelt, und Bassistin Lies Lorquet die nasale Stimme von Bosschaerts mit ihrer ansprechenden Stimme unterfüttert, tut das der Aura der Musik gut.

Nun zu der Einschränkung: Die Strickart der Stücke wiederholt sich zu oft. Da zudem spieltechnisch eher Minimalismus regiert, flacht die Begeisterung mit zunehmender Konzertdauer doch ein wenig ab. Was den Reiz der ersten Stücke ausmachte, Abgehmusik mit psychedelischer Aura, wirkte irgendwann eintönig. Es mangelte an Variationen und besonders an spieltechnischen Feinheiten.

Das gilt für das Zwei-Saiten- Bassspiel von Lies Lorquet ebenso wie für die Künste von Schlagzeuger Min Chul van Steenkiste, dessen Spiel etwas von einem Roboter hatte. Da auch Gitarrist Daan Scheltjens oftmals nur die Gitarre von Bosschaerts doppelte, klang es bisweilen ein wenig nach Einheitsbrei. Im Kern jedoch schlummert viel Potenzial in dieser Band, und was die mitreißenden Melodien und Refrains betrifft, hat sie dieses schon geweckt. Applaus dafür.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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