Immer auf die Golden-Gate-Bridge

Immer auf die Golden-Gate-Bridge: Wieso im Kino so oft San Francisco zerstört wird

Die Golden-Gate-Brücke wird Sammelpunkt kämpferischer Primaten: Plakat des Films „Planet der Affen: Revolution“. Foto: Fox

Die Apokalypse beginnt immer häufiger auf orangerotem Stahl. Wenn es in Kinofilmen derzeit so richtig endzeitmäßig zugehen soll, begeben sich Regisseure großer Actionfilme auffallend oft ans goldene Tor: Die Golden-Gate-Bridge in San Francisco ist zum Inbegriff für Zerstörung geworden.

Immer häufiger reißen in Filmen die berühmten roten Seile, knicken die Stützen ein, brechen die Fahrspuren. Kracht es heute hier, bröselt morgen die ganze Welt, so die Botschaft. Aktuell ist das im Film „Planet der Affen: Revolution“ zu besichtigen, wo Primaten sich zum Krieg mit den versprengten Menschen rüsten, die sich in San Francisco verschanzt haben.

Erst im Frühjahr tappte Urzeitmonster „Godzilla“ unheilstiftend durch die Metropole Nordkaliforniens. In „Pacific Rim“ kam vergangenes Jahr eine Art außerirdische Saurier auf die Erde, um ihr zerstörerisches Werk zu verrichten - und knackte schon in den ersten 30 Sekunden die berühmte Hängebrücke. Selbst in dem Animationsfilm „Monsters vs. Aliens“ findet der zentrale Kampf an der Brücke statt: Ein böser Außerirdischer will eine Superkämpferin kidnappen, gute genmutierte Wesen retten sie.

Diese Entwicklung ist bemerkenswert: San Francisco löst New York und Los Angeles als Symbol der Zerstörung auf der Kinoleinwand ab. Jahrzehntelang zeigte man New York, wenn man die Stadt schlechthin - Zivilisation, Urbanität und ihre Gefährdung - darstellen wollte.

Bedroht wird die Ostküstenstadt etwa in Filmen wie „Spider-Man“, „King Kong“ oder „Deep Impact“. Dann kamen der 11. September 2001 und ein realer Angriff. Heute wird zwar ab und zu noch im Film der Big Apple zerstört, Inbegriff für Modernität, gar Zukunft, ist die Stadt aber nicht mehr.

Ebenso wenig wie Los Angeles. Hier fehlen zudem ikonische Wahrzeichen - Freiheitsstatue, Empire State Building, Golden-Gate-Brücke - auch ein Grund, warum es hier seltener Filmangriffe irgendwelcher Genmonster gibt. Stattdessen waren in L. A. immer wieder Naturkatastrophen Thema auf der großen Leinwand, Vulkanausbrüche, Erdbeben, also die trotz Technik unbeherrschbare Natur, die trügerische Sicherheit unseres Alltags.

Der Wechsel der Zerstörungsorte passt zur Rolle der Städte in der kollektiven Wahrnehmung: Nach New York als Symbol der freien Welt im 19. Jahrhundert wurde Los Angeles im 20. Jahrhundert zum Zentrum der Unterhaltungsindustrie mit ihrer mächtigen Bilderproduktion.

Dass jetzt der Schwenk in den kalifornischen Norden erfolgt, ist somit folgerichtig: San Francisco und das Silicon Valley sind das Herz der digitalen Industrie, hier werden jene Geräte und Programme entwickelt, die heute unseren Alltag bestimmen.

Die nächsten Filme, in denen San Francisco übel gebeutelt wird, sind bereits in Arbeit: Der Erdbebenfilm „San Andreas“, Superheldenfilm „Ant-Man“ und ein neuer „Terminator“. Katastrophenfilme spielen mit dem Gruselgefühl, sich auszumalen, was passiert, wenn unsere Gesellschaft in ihr Herz getroffen würde. Und das schlägt heute an der Golden-Gate-Brücke.

Von Bettina Fraschke

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