Immer wieder Petards: Schlagzeuger Dittrich steht seit 50 Jahren auf der Bühne

Kassel. Am Ende jenes Tages, der Arno Dittrichs Leben veränderte, bekam er gesagt, dass er als Drummer viel besser werden müsse. Zuvor hatte sich der 17-Jährige aus Hannover sein erstes Schlagzeug gekauft.

Und als er 1961 hörte, dass eine Dixieland-Kapelle einen Taktgeber für einen Auftritt in einem Ruderverein am Maschsee brauchte, meldete er sich.

Dittrich gab sein erstes Konzert, obwohl er zuvor nur zu Hause auf Kochtöpfen getrommelt hatte. Der Trompeter verkündete ihm anschließend, dass es der einzige Auftritt bleiben werde. Trotzdem war dies der Beginn einer großen Karriere. „Ich habe damals gemerkt, Schlagzeug ist mein Ding“, sagt der heute 67-Jährige.

In diesen Tagen feiert Dittrich, der mit der Beat-Band The Petards aus Schrecksbach in der Schwalm ein Stück deutscher Rock-Geschichte geschrieben hat, sein 50. Bühnenjubiläum. In all den Jahren hat er weit mehr als 10 000 Auftritte absolviert. Der Autodidakt hat nie Unterricht genommen, sondern sich alles selbst beigebracht. Kurz vor dem Abi flog er von der Schule, weil er montags im Unterricht immer eingeschlafen ist, und trotzdem scheint er vieles richtig gemacht zu haben im Leben.

„Ich konnte immer von der Musik leben“, sagt der Mann, der seit 27 Jahren verheiratet ist und in Kassel ein gesundes Leben mit Yoga und Laufen lebt, das er sich früher nicht hätte vorstellen können: „Wir haben das Rockleben gelebt mit Sex and Drugs and Rock’n’Roll, nur die Reihenfolge hat sich ständig geändert.“

Mit Klaus und Horst Ebert sowie Rüdiger Waldmann mischte er als The Petards von 1967 bis 1972 die Musikszene auf. Hits wie „Pretty Liza“ und „Misty Island“ standen in den Charts vor den Beatles. Das Quartett absolvierte 1200 Auftritte in fünf Jahren und hatte 400 Fan-Clubs.

Beinahe bei den Scorpions

Die Anhänger lieben die Petards noch heute. Zuletzt sorgten sie dafür, dass der Hit „Golden Glass“ vier Wochen die Hitparade von HR1 anführte. Zuvor hatten neun von zwölf Kritikern des Fachblatts „Good Times“ die Nordhessen in ihre Top Ten der besten deutschen Bands der 60er gewählt.

Mit seinen Soli, die nicht nur Technik, sondern stets auch eine Komposition waren, wäre Dittrich fast noch weltberühmt geworden. 1972 versuchte Rudolf Schenker, ihn als Schlagzeuger für die damals noch unbekannten Scorpions zu verpflichten. Dittrich war das zu unsicher und ging stattdessen in die Schweiz, wo er in einer Tanz- und Showband 4000 Franken im Monat bekam.

„Im Nachhinein hab ich das oft bereut, aber man weiß nie, wie es gekommen wäre“, sagt er in seiner bescheidenen Art, die so gar nicht zu dem wilden Drummer passen will, der an einem Abend schon mal zehn Stöcke kaputt haute.

„Arno ist der angenehmste Zeitgenosse, der mir jemals in der Musikbranche begegnet ist“, sagt Rainer Mösta, einst Manager der Kasseler Ducks, bei denen Dittrich noch vor den Petards spielte. Heute gibt der Unverwüstliche in der Unterhaltungsband Superjet den Takt an. Auf Hochzeiten und Feiern spielt das Trio manchmal die Wochenenden durch. „Ich mache weiter, bis ich runterfalle“, sagt Dittrich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.