Immobile und Lahm in einem Team

Perfekt: Axel Hacke las im Schauspielhaus

Geistreich: Axel Hacke. Foto: nh

Kassel. Wie mag „ein viertel Hähnchen aus Freilandhaltung“ aussehen? Lieber nicht vorstellen, was für ein armes Wesen das wäre. Speisekarten gehören zu den Lieblingsthemen des geistreichen Münchner Journalisten und Schriftstellers Axel Hacke, der am Donnerstagabend im Schauspielhaus aus einigen seiner Bücher las.

In dem Band „Oberst von Huhn bittet zu Tisch“ hat er die Übersetzung von Speisen ins Deutsche am Wickel. Dabei kommt Verqueres heraus, das Axel Hacke als „eine dem Deutschen ähnliche, vertraute“, aber leider nicht zu verstehende Sprache bezeichnet. In Spanien gäbe es Gerichte wie „Zerknitterte Päpste“ oder „Wurmbrustkorb“. In Italien fänden sich „Huhn-Klumpen“ sowie „beleckte Brötchen“. Ohne die Miene zu verziehen, meinte Hacke, „wir sollten über eine Willkommenskultur für Wörter“ nachdenken.

Der Autor, der sich in Jeans, blauem Jackett und mit einem richtig glatt gebügelten, weißen Hemd präsentierte und sich exakt artikulierte, ist auch Fußballfan. In dem Buch „Fußballgefühle“ widmet er sich schwierigen Spielernamen, die Albtraum der Radioreporter sind. „Wahre Fürsten des Konsonantenwesens“ nennt Hacke Przybylko, Piszczek und Skrzybski auf der Reservebank. Toll sei es, wenn Immobile und Lahm, Alter und Neuer, Marx und Engel zusammen spielten.

Mit der Geschichte von dem Nikolaus aus „Alle Jahre schon wieder“, der sich als Untermieter seiner Eltern entlarvte, zeigte Axel Hacke seine sensible Seite. Der Autor, der wöchentlich eine Kolumne für das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ schreibt und den Alltag mit seinen Tücken und sprachlichen Unmöglichkeiten betrachtet, ist auch in der Lage, auf seine Kindheit im „sehr aufgeräumten Leben“ seiner Eltern zu blicken. Mit Intelligenz und Wortwitz bot Hacke den 300 Zuschauern zwei Stunden lang einen perfekten Abend. Viel Applaus.

Von Gesa Esterer

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