Imposant: Karfreitagskonzert des Staatsorchesters

Starkes Erlebnis: Patrik Ringborg dirigierte das Staatsorchester im Karfreitagskonzert. Foto: Zgoll

Kassel. Zwei wuchtige Akkordschläge und dann ein Thema, das in der Musikliteratur gern als sphinxhaft unergründlich bezeichnet wird - so begann das Karfreitagskonzert in der ausverkauften Kasseler Stadthalle.

Generalmusikdirektor Patrik Ringborg und das Staatsorchester eröffneten den Abend mit der „Tragischen Ouvertüre“ von Johannes Brahms und bereiteten damit ein eindringliches Stimmungsbild, differenziert im Kleinen wie im Großen, mit kraftvollen Verdichtungen, aber auch verhalten-fahlen Farben.

Paul Hindemiths Sinfonie „Mathis der Maler“ war dann ein starkes Erlebnis - und ein klingendes Dokument aus der Zeit der NS-Diktatur. Seine Uraufführung erlebte das Werk 1934 durch den Dirigenten Wilhelm Furtwängler, der Hindemith darüber hinaus vor den verbalen Angriffen der Nazis zu schützen versuchte.

Was an Furtwänglers mutigem Einsatz aus heutiger Sicht nicht ganz unproblematisch erscheint: Er argumentierte in einem Zeitungsbeitrag, dass Hindemith ein „ausgesprochen deutscher Typus“ sei, womit er eine „schlicht-handwerkliche Gediegenheit und eine gerade-kernhafte Art“ meinte. Der Artikel des berühmten Dirigenten verärgerte die NS-Machthaber. Hindemiths vollständige Oper über den Renaissance-Maler Matthias Grünewald konnte erst 1938 in Zürich uraufgeführt werden, und der Komponist emigrierte über die Schweiz in die USA.

Die „Mathis“-Sinfonie ist ein imposantes tönendes Triptychon nach drei Tafeln von Grünewalds Isenheimer Altar. Ringborg und das Orchester machten diese Großartigkeit mit einer überlegenen Klangdramaturgie hörbar.

Im ersten Satz „Engelkonzert“ gelang die ruhig bewegte Einleitung besonders eindrucksvoll - mit einer großen Steigerung über den Choral „Es sungen drei Engel ein süßen Gesang“. Im zweiten Satz „Grablegung“ gab es expressive Soli von Alissa Rossius (Flöte), Sabine Nobis (Oboe) und Sabine Neher (Klarinette). Als Höhepunkt bot das Finale „Versuchung des heiligen Antonius“ eine weite emotionale Reise von einer gleichsam dämonischen Streicherlinie bis zum majestätischen Bläser-Alleluja.

Äußerst anspruchsvoll

Nach der Pause nochmals Brahms, und zwar das Violinkonzert mit einem Solisten aus eigenen Reihen. Konzertmeister Razvan Hamza bewies in dem äußerst anspruchsvollen Solopart seine Souveränität, differenzierte klar zwischen den verschiedenen Charakteren und ließ dabei doch eine gewisse Introvertiertheit erkennen. Zu Recht bekam er starken Beifall, und der brandete dann nochmals für Sabine Nobis auf. Wunderschön hatte sie das Oboensolo im langsamen Satz gespielt.

Von Georg Pepl

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