Zwei Duos traten beim „Jazz im tif“ auf - vertrackt und farbenreich

Individualisten grooven

Kassel. Am Schluss, als sich die beiden Duos zum Quartett vereinten, gab’s ein Schmankerl von Antônio Carlos Jobim. Doch war es keineswegs ein Bossanova-Abend für den kleinen Zuhörerkreis bei „Jazz im tif“. Statt musikalischer Cocktails, die ja auch nicht zu verachten sind, aber anderswo recht häufig gereicht werden, bot die ambitionierte Jazzreihe eine Klangwelt, die viel mehr mit Kammermusik als mit Lounge-Beschallung zu tun hat.

Aber auch Individualisten können grooven. Wie Schlagzeuger Gerd Vierkötter, der auf einem kleinen Drum Set feine Klangfarben hervorzauberte sowie eine starke rhythmische Energie, die vertrackt und sympathisch verschroben daherkam. Ideal ergänzt durch Andreas Krennerich (Sopranino-, Alt- und Baritonsaxofon). Mit Multiphonics und zerbrechlichen Gebilden bewegte man sich in Richtung der sogenannten Neuen E-Musik.

Scheinbar konventioneller das Duo aus dem Pianisten Enno Dugnus und dem Kasseler Kontrabassisten Berthold Mayrhofer. Stücke der Jazztradition, darunter Ornette Colemans „Bird Food“ als ausgefallenstes Notenfutter, wurden gespielt. Das unkonventionelle Moment in den Interpretationen kam vor allem vom Kontrabassisten. Der zupfte nicht einfach die Saiten, vielmehr schien das Instrument gestreichelt, manchmal auch geschlagen zu werden. Da hat jemand eine eigene, farbenreiche Technik entwickelt, und es ist bisher nur wenigen aufgefallen.

Von Georg Pepl

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