Vom Verlangen nach Liebe und Bestätigung

Der innere Klang des Lebens: Choreografische Werkstatt des Staatstheaters

Szene aus „Schweigen ist Rot"“: (von links) Cree Barnett Williams und Gotaute Kalmataviciute. Foto: Klinger

Kassel. Menschliche Beziehungen, die Suche nach Identität und Selbsttäuschung standen im Mittelpunkt der sechs Stücke, die Tänzerinnen und Tänzer des Staatstheaters am Freitag und Samstag im ausverkauften Theater im Fridericianum (tif) in der Choreografischen Werkstatt auf die Bühne brachten.

Das Verlangen nach Liebe und Bestätigung thematisierten Victor Rottier und Luca Ghedini mit ihrer kraftvollen Performance „Mama, schau mal!“. Zu eingespielten Walzerklängen trugen beide Künstler ähnlich Judo-Kämpfern blendend weiße, weite Oberteile und demonstrierten, welche Gewalt der Satz „Mama, schau mal!“ für den Tanz des Lebens hat. Und was passiert, wenn sich die frühe Anerkennung der Mutter nicht stabilisierend wie ein innerer Klang im Kind verankert.

Gotaute Kalmataviciute präsentierte „man(ic) machine“. Während auf einem Video eine Frau erzählte, man müsse Entscheidungen treffen, krümmte sich die hervorragende Tänzerin, strampelte auf dem Boden, zitterte, rannte umher und schrie. Wie getrieben, verfolgt, zeigte Gotaute Kalmataviciute eine dunkle Performance, in der es keine Realität gibt.

In dem Stück „Da’ahlin’“ ironisieren die Tänzer Cree Barnett Williams und Luca Ghedini Täuschung und Lüge in äußerlich perfekten Beziehungen. Während ein Cha-Cha-Cha säuselte, rückte Luca Ghedini Stühle zurecht, ohne zu bemerken, dass seine Frau am Boden lag. Erst nach einer Weile hob er die Frau auf und setzte sie auf einen Stuhl, als sei nichts gewesen. Witzig verwandelten sich die Stimmen der Tänzer in ein Micky-Maus-Geplapper.

Katerina Toumpa demonstrierte eindrucksvoll mit „As Real As A Lovesong“ wie Möglichkeiten, Wünsche, Gedanken im Irrealen enden.

Verstörend wirkte „Schweigen ist Rot“ von Zoe Gyssler. Als Mann und Frau kamen die Tänzerinnen Cree Barnett Williams, Gotaute Kalmatavicute nicht zusammen. Erst als sie ihre Kleider tauschten, war Liebe und Vereinigung möglich. Ein Tanz um den Geschlechtswechsel?

Mit wunderbaren, ins Groteske und Lustige verzerrten griechischen Volkstänzen rüttelte Valentine Yannopoulos die Zuschauer im Stück „Ayiayiame“ wieder aus ernsten Gedanken. Tosender Beifall, viele Vorhänge.

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