Die Gitarrenmeister Habib Koité und Eric Bibb im Kulturzelt

Inniger Dialog der Saiten

Gut gelaunt: Habib Koité (Gesang, Gitarre, von links), Mama Koné (Percussion) und Eric Bibb (Gesang, Gitarre). Foto:  Malmus

Kassel. Wie eine Fata Morgana erscheint die mythische Stadt Timbuktu, wenn man sich ihr durch die Wüste nähert. Dieses Flimmern, dieses leicht Unwirkliche beschwören die beiden Gitarrenmeister Habib Koité und Eric Bibb bei ihrem gemeinsamen Auftritt am Mittwochabend im vollen Kulturzelt herauf.

Es gibt keine Stadt wie Timbuktu, singen sie und das monotone Gitarrenzupfen, die windhauchleisen Akzente des Perkussionisten Mama Koné und der Text in der westafrikanischen Sprache Bambara sowie in Englisch bringen den Zauber des zweistündigen Abends auf den Punkt.

Eric Bibb steuert die Blues- und Gospeltradition seiner afroamerikanischen Kultur bei, Habib Koité umspielt die rhythmusbetonten Linien mit feiner westafrikanischer Melodik und im Sound der traditionellen Instrumente Kora und Ngoni. Das kippt nie in platte Afrika-Folklore, die beiden Musikkulturen entwickeln sich vielmehr zu einem innigen Gitarrendialog zweier Menschen, die sich offenkundig auch persönlich gut verstehen. Zum ersten Mal in Malis Hauptstadt Bamako zu arbeiten, war für Bibb wie heimkommen, erzählt er, und spricht von der Sehnsucht vieler schwarzer Amerikaner, sich emotional mit Mutter Afrika zu verbinden.

Die Unruhen in dem zerfallenden Staat kamen nur am Rande vor, als die beiden ein musikalisches Gebet für Frieden in Timbuktu anstimmten: das verhaltene „Send Us Brighter Days“ mit nachdenklichen Instrumentalpassagen.

Mehrfach wurden die Instrumente gewechselt - bis hin zu einer achtsaitigen Ukulele und einem sechssaitigen Banjo, das bei „Khafolé“ zum Einsatz kam, einem puristischen Höhepunkt des Abends. Virtuos präsentiert war das verspielte „Touma Ni Kelen“, fröhlich wurde es mit „On My Way To Bamako“ und „L.A.“.

Und dann stimmte das Publikum bewegt ein bei Bob Dylans Antikriegshymne „Blowin’ in The Wind“.

Von Bettina Fraschke

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