Der Künstler Lotem Namling sang Lieder aus dem Himalaja in der St.-Familia-Kirche - Glückszeremonie

Inspirierende Musik aus Tibet

Glasklare Stimme: Lotem Namling beim Auftritt in St. Familia. Foto:  Fischer

Kassel. Ungewöhnliche Vokalmusik im Kirchenraum: Der Sänger Lotem Namling, der von manchen wegen seines weltweiten musikalischen und politischen Einsatzes für sein Heimatland auch „Stimme Tibets“ genannt wird, gab am Freitagabend in der St.-Familia-Kirche einen atmosphärischen Abend mit Gesängen und Erzählungen aus seiner Heimat.

Der heute 49-jährige Exil-Tibeter wuchs im indischen Dharamsala auf. „Meine Kindheit dort war voll von Musik und Tanz, trotz großer Probleme“, erzählte er den gut 70 Zuhörern. „Lieder haben mein Herz berührt, und so habe ich selbst zu singen begonnen.“

Seit Ende der 80er-Jahre lebt Namling in der Schweiz. Nach Kassel brachte ihn ein Besuch der documenta.

Die Kirche füllte der in kunstvolle und farbenprächtige Gewänder gekleidete Musiker ohne Mühe mit seinem für deutsche Ohren ungewohnten, archaischem, aber glasklaren Gesang.

Bei den traditionellen Liedern begleitete sich Namling selbst auf einer dreisaitigen Laute, schlug helle Zimbeln oder eine große Trommel. Ein Erlebnis war auch der Klang einer weißen Muschel, mit der Namling einen durchdringenden, an eine Orgelpfeife erinnernden Ton in den Raum schickte.

Das Besondere an diesem Abend war jedoch nicht allein die Musik, sondern die Ungezwungenheit des Künstlers: Lotem Namling prangerte mit sanfter Stimme, aber unmissverständlich die Unterdrückung Tibets an und plauderte kaum später in englisch-deutschem Kauderwelsch über alte Freunde, sang traditionelles Liedgut und schrammelte am Ende Popsongs. Das Publikum reagierte mit herzlichem Applaus und gestaltete auch die abschließende tibetische Glückszeremonie vor der Kirchentür angeregt mit.

Von Felix Werthschulte

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