Inspiriert von den Großen: Wilhelm Busch im Schloss Wilhelmshöhe

Wilhelm Busch verzichtete auf Ausschmückung: Im Kontrast zu den alten Meistern wie bei Jan Weenix Stilleben (links) ist Wilhelm Buschs (rechts) eigener Stil gut erkennbar. Fotos: Koch

Kassel. Wer humorvolle Bildergeschichten wie Max und Moritz in der Schau „Wilhelm Busch (1832-1908) und die Alten Meister“ sucht, sucht vergeblich – könnte jedoch überrascht werden, von dem, was der schon zu Lebzeiten berühmte Maler und Dichter außerdem geschaffen hat. Die Ausstellung folgt der Chronologie seines malerischen Schaffens und zeigt 43 Ölgemälde von Busch , denen 32 alte Meister wie Rembrandt oder Rubens gegenübergestellt werden.

Empfangen werden die Besucher mit einem Selbstbildnis in holländischer Tracht. Seine Begeisterung für die Niederlande ist durch sein Abbild in der gängigen Mode des bürgerlichen Standes erkennbar. Dem gegenüber hängt das „Kleine Brustbild eines Mannes, Handschuhe halten “ von Frans Hals. Busch bediente eine ganze Bandbreite an Bildgattungen. Sein „Großes Stillleben mit totem Hasen“ (Bild oben ) aus den 1870er-Jahren ist eine Hommage an die in der niederländischen Malerei zur Blüte gelangten Gattung. Doch unterscheidet sich seine an klassischen Vorbildern orientierte Malerei in der Schlichtheit. Wo Jan Weenix im „Stillleben mit totem Hasen und Geflügel“ sich mit Stofflichkeiten wie dem feinen Fell befasst, komponiert Busch einen eigenen, raueren Stil.

In seinem frühen Genre bewegen sich die Arbeiten zwischen humoristischer Malerei und Zeichenkunst. „Man neigt dazu aus Buschs Texten Indizien in den Bildern zu suchen“, sagt der Kurator der Ausstellung, Justus Lange. Eine wandhohe Skizze mit Menschen aus der damaligen Zeit vor der Kasseler Gemäldegalerie integriert die Kasseler Galeriegeschichte in die Schau. Landschaftbildern und „Die Galerie mit den wundervollen Niederländern“ führen die Besucher schließlich zum „späten Busch“, der Adriaen Brouwers Bilder paraphrasiert.

Busch machte auf seinem Weg nach Hannover immer wieder halt in der Kasseler Gemäldegalerie, um sich die alten Meister anzuschauen. „Die Inspiration floss in die eigene Malerei ein“, erklärt Bernd Küster Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel.

Das Besondere der Ausstellung ist, „dass für sie nur Hannover und Kassel infrage kommen“, sagt Küster. Durch sein frühes Studium in den Niederlanden in den 1850er-Jahren steckte Busch seine Ziele hoch. Er nahm drei Anläufe an der Kunstakademie und scheiterte mangels Disziplin mehrfach. In Buschs 1000 Gemälden, die er ausschließlich für sich selbst schuf, ist zwar einerseits eine unabweisbare Nähe zu seinen großen Vorbildern zu erkennen. Andererseits, und das sei eine Besonderheit, die nur bei ihm zu beobachten sei, war er erfrischend anders als seine Zeitgenossen. „Mit einem Bein stand er als Maler im 17. Jahrhundert, mit dem anderen in seiner Zeit“, sagt Küster.

Bis 12. Januar im Museum Schloss Wilhelmshöhe. Di - So, Feiertage 10 bis 17 Uhr. Mittwochs bis 20 Uhr. Eintritt sechs Euro, ermäßigt vier Euro. www. museum-kassel.de

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