Installationen von Künstlern bei der ersten Tonale auf dem Hohen Dörnberg

Ein Ort der Stille: „Audiosphaere“ von Mali Theresia Ruppe, eine schallisolierte Kabine am Fuße des Dörnbergs.

Dörnberg / Kassel. Das Rauschen des Windes, der über das Gras streicht, ein unablässiges Zirpen, die Sonne, die beim Aufstieg schwitzen lässt, die weite Sicht bei spektakulärer Wolkenbildung: Eine Wanderung auf den Hohen Dörnberg ist ein Erlebnis, das alle Sinne reizt und beansprucht. Kann sich hier Kunst behaupten?

Genau das versucht die erste „Tonale“ auszuloten, ein internationaler Wettbewerb für Klangkunstobjekte, den der Zweckverband Naturpark Habichtswald, unterstützt von der Kasseler Sparkasse und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel, initiiert hat. Ausgerichtet wurde er von der Zentrale für aktive Kunst (ZAK) der Projektleiterin Heidi Rühlmann.

Fünf Klangkunstwerke sind entlang des Eco-Pfades, der über die Besonderheiten des Dörnbergs „am Rande der keltischen Welt“ unterrichtet, aufgebaut worden. Bis 31. August können sie bei einzelnen Spaziergängen oder - will man alle ablaufen - einer gut zweistündigen Wanderung aufgesucht werden. Fazit eines solchen Rundgangs: Die Kunst tut sich schwer, mit der beeindruckenden Naturerfahrung auf dem markanten Muschelkalkmassiv zu konkurrieren. Der Versuch ist es aber wert, eine Wiederholung wäre also angezeigt.

Am stärksten ist der Eindruck an den Helfensteinen, wo Marcus Große (Leipzig) und Markus Bartsch (Potsdam) ein „Basaltron“ errichtet haben, Orgelpfeifen, die bei Westwind deutlich vernehmbar tiefe Töne in die Landschaft schicken. Auch optisch passt die Klanginstallation zu den wuchtigen Basaltriesen.

Schwerer tun sich da die „fünf Säulen für den Dörnberg, fünf Säulen für den Wind“ von Martin Ketelhut und Frederik Esser (Weimar) auf dem Plateau des 578 Meter hohen Dörnbergs. Auch wenn der Besucher eingreifen soll, um Töne zu produzieren - gegen den Wind kommen sie nicht an. Als Fremdkörper auf dem Gipfel wirken die Säulen auf alle Fälle -interessant.

Wie Natur und Kultur sich gegenseitig bedingen, will der „Verteilerklangkreis“ von Livio Cecini aus St. Gallen ins Bewusstsein rufen. Der Schweizer hat Geräte, deren Klang Wühlmäuse vertreiben soll, zum Kreis angeordnet. Ein Stuhl lädt zur Pause ein. Das Fiepen aus den im Boden verankerten Dosen ist gut zu hören. Trotzdem nimmt der Blick hinüber zum Bärenberg mit seinem Aussichtspunkt mehr gefangen. Bleiben die „Habichtswaldsaiten“ von Renate Hoffleit und Michael Bach Bachtischa in der Nähe des Jugendhofs, 40 Meter lange Klaviersaiten, die zum Schwingen gebracht werden können und sanfte Klänge erzeugen.

Auf den Kontrast setzt Mali Theresia Ruppes knallrote Kugel „Audiosphaere“. Die Berchtesgadenerin fordert dazu auf, sich in der schallisolierten Kabine gerade der Stille auszusetzen, den Geräuschen von draußen im Gedächtnis nachzusinnen und mit neuer Aufmerksamkeit für Klänge und Laute nach draußen zu treten.

Von Mark-Christian von Busse

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