Zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit: Lichtinstallation auf Siebenbergen

Kassel. Künstlich angelegte Natur, Kunst, die wie organisch Gewachsenes wirkt - zwischen diesen Polen bewegen sich die zwölf „Lichtinseln“, die bis 18. September allabendlich auf Siebenbergen zu entdecken sind. Zum dritten Mal lädt das Team „Licht(e) Wege“ um Herwig Thol und Markus Hutter auf die 1729 als barocker Garten angelegte Insel ein.

In dieser künstlich geschaffenen Umgebung, wahrgenommen als selbstverständliche, immer da gewesene Bepflanzung, greifen Lichtinstallationen dieses Wechselspiel von Inszenierung und Natur auf.

Mal unauffällig-dezent, ja bescheiden - der Japaner Takahiro Ishii ergänzt die nummerierten, in einem Führer erfassten 181 Stauden der Insel durch ein handgeschnitztes Exemplar „ST.182“ - mal weithin leuchtend wie das überdimensionierte Outdoor-Labor der Gruppe HÜX’L aus Kassel und Hamburg (Katrin Leitner, Bernard Hümmer, Walter Peter). Wenige Schritte weiter hat die Kasselerin Miriam Aust drei Pflanzen in beleuchtete Glasbehälter gesetzt.

Ein wunderbarer Beitrag stammt von Frank Fuhrmann in Kooperation mit Markus Hutter: Bruchstücke aus der Produktion von Solar-Modulen, die noch Strom erzeugen, wurden so zusammengesetzt, dass sie pflanzenähnliche Lichtskulpturen ergeben. Hutter hat mit „Auswuchs“ einen Bretterverschlag gebaut, der einen Garten einzäunt. Darin jedoch: Kunstblumen.

Die thematische Konzentration sei „ein schöner Zufall“, beteuert der Absolvent der Kunsthochschule Kassel, der inzwischen in Hannover lebt: „Wir haben noch nie ein Thema vorgegeben.“ Die meisten Künstler, die das Licht(e)-Wege-Team anspreche, würden einen Bezug zum Ort selbst herstellen. In Christoph Rütimanns Videoarbeit „Handlauf Kasselbank“ bestand er bereits: Er hatte als Gastprofessor in Kassel rasante Kamerafahrten über die Bänke in der Karlsaue unternommen. Für Irritationen sorgt Ursula Pallas Haus: Bezaubernde Lichtreflexe entstammen Stacheldrahtblumen. Schön anzuschauen: Bruno Steigers Gebilde aus gebogenen, verrosteten Stahlplatten.

Seit 2002 gibt es die sommerlichen Lichtinstallationen. Ihre Zukunft steht in den Sternen. 2012 wird die documenta die Karlsaue beanspruchen, auch auf Siebenbergen sei erstmals ein künstlerischer Beitrag geplant. Einer Neuauflage des Projekts im Bergpark hat die Museumslandschaft Hessen Kassel eine Absage erteilt.

Doch falls ein Altweibersommer mit warmen Abenden den enttäuschenden Juli und August wettmacht, lassen sich auf Siebenbergen, zumal bei einem Glas Wein von der Getränkebar, zauberhafte Stunden verbringen. Vielleicht, indem man sich - wozu sie ausdrücklich ermuntert - auf Andrea von Lüdinghausens Skulptur „Cosmic Dust“ legt, der dreimillionenfachen Vergrößerung eines kosmischen Staubteilchens, und in den Himmel schaut.

Bis 18.9., täglich ab 20.30 Uhr (ab 1.9. Beginn 20 Uhr). Bis 24 Uhr, Eintritt 5 (4) Euro, bis 12 Jahre frei. Flyer: 1 Euro.

Von Mark-Christian von Busse

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