Kabarett aus Dresden

Intelligent geblödelt: "Die Herkuleskeule“ in der Komödie

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Mit allen Kabarettwassern gewaschen: Birgit Schaller und Detlef Nier von der traditionsreichen Herkuleskeule aus Dresden bei ihrem Auftritt in der Komödie in Kassel.

Kassel. „Comedy-Künstler stehen wegen dem Geld, Kabarettisten wegen des Geldes auf der Bühne“, so begrüßte Detlef Nier von der "Herkuleskeule" aus Dresden am Montag das Publikum in der bestens gefüllten Komödie.

Nier lieferte mit seinem Einstieg sogleich den Beweis, dass das traditionsreiche Kabarett aus Dresden noch immer auf feinsinnige Wortspiele setzt.

Was beide Fraktionen – Comedy und Kabarett – jedoch eint, sind Feindbilder, die man sich schaffen muss, um sein Publikum zu unterhalten. Auch das Programm der „Herkuleskeule“ mit dem Titel „Gallensteins Lager“ ist voll davon und nimmt sie ausgiebig auf die Schippe.

Von „Vergnügungsterroristen“ bis zu Angela Merkel, über Griechenland zum Waffenexporteur Deutschland und zur Volksmusik – „na, wenn sie schunkeln, haben sie wenigstens keine Hand zum Schießen frei“ – wird gekalauert, kritisiert, geschossen oder durch den Kakao gezogen.

Auch kleine, freche Lieder mit bekannten Melodien, aber selbst gebastelten Texten wurden serviert. Zwei Musiker – Jens Wagner und Volker Fiebig – bedienten dafür Schlagzeug und Keyboard.

Das Programm lebt von der Bühnenpräsenz und Komik Detlef Niers und seiner vielseitigen Partnerin Birgit Schaller. Beide mit allen Kabarettwassern gewaschene Künstler, die sich auch ausgezeichnet auf aberwitzige, skurrile Figuren und Parodien verstehen.

So Nier als betrunkener Bestatter, dessen Niesanfälle den Staub aus seiner im Arm gehaltenen Urne aufwirbeln. Sie als tolle Parodie auf Cindy aus Marzahn – „man kann auch ohne was gelernt zu haben berühmt werden“ – oder als wild-verrückte Nina Hagen.

Viel gelacht wurde auch über die Videoeinspielungen: Angela Merkel als Nachrichtensprecherin - zeitgleich flimmern Stummfilmausschnitte aus der Abteilung Pleiten, Pech und Pannen über die Leinwand. Nicht ganz so witzig fand das Publikum hingegen eine gespielte Bambiverleihung, bei der sich Adolf Hitler als Bauchrednerpuppe für den Publikumspreis bedankt.

Fazit: Unter dem Strich ein scharfsinniges, witziges Programm. Viel Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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