Mit Intelligenz, Witz und Körpereinsatz: Christine Prayon in Vellmar

Sie glänzt vor allem mit schauspielerischem Talent: Christine Prayon auf ihrem Streifzug durch die Fernsehlandschaft. Foto: Schachtschneider

Vellmar. Nichts ist, wie es scheint, vor allem nicht in der Unterhaltungsbranche. Wer könnte das besser wissen als eine „Diplom-Animatöse“.

Mit dem gleichnamigen Programm gastierte Kabarettistin Christine Prayon am Samstagabend im ausverkauften Piazza in Vellmar und enttarnte mit intelligentem Humor und viel Körpereinsatz die bunte Welt des Show-Geschäfts und sich selbst.

Christine Prayon, bekannt durch ihre Rolle in der „ZDF heute-Show“, gilt als Ausnahmeerscheinung unter den deutschen Kabarettistinnen. Dabei glänzt sie vor allem mit schauspielerischem Talent.

In vielen kleinen Rollen kündigte sich die gebürtige Bonnerin zu Beginn immer wieder selbst an. Ob als dusselige Moderatorin oder als Gastgeberin einer Volksmusiksendung mit bayrischem Dialekt, die „Diplom-Animatöse“ wartete im Minutentakt mit neuen Absurditäten auf, bis sie schließlich als Christine Prayon auf der Bühne stand. Aber ehe man sich versah, war sie schon wieder weg. Gestorben an einem Vitaminbonbon einer Zuschauerin - Prayon inter-agierte gekonnt mit dem Publikum -, unternahm sie einen Streifzug durch die Fernsehlandschaft und spielte à la Markus Lanz und Rudi Cerne ihren eigenen medialen Nachruf.

Dazwischen streute sie extravagante Auftritte. So destruierte sie als Travestiekünstler, hinter dem sich weder Frau noch Mann, sondern ein Clown mit großer roter Nase verbarg, scherzhaft Geschlechterrollen und enttarnte in der Reihe „Neue Deutsche Lyrik“ mit viel Witz die Originaltexte eines Mario Barth.

Im Zwiegespräch mit ihren verschiedenen Persönlichkeiten - unter denen sich auch ein politisch diskriminiertes Nutellaglas versteckt - machte sie vor der Demontage ihres eigenen Ichs nicht halt. Das Publikum dankte es ihr.

Von Marian Schollmeyer

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