Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt die größte Frida-Kahlo-Retrospektive, die es in Deutschland jemals gab

Der intensive Blick einer tapferen Frau

Am Verlöschen: Das Gemälde „Selbstporträt mit Sonnenblume“ von 1954 ist das letzte Gemälde Frida Kahlos. Foto: ap

Berlin. Frida Kahlos Werke sind rar. Nur rund 145 Gemälde gibt es von der mexikanischen Malerin (1907-1954). Die meisten Sammler besitzen nur eine Arbeit, von der sie sich ungern trennen.

So ist es schon eine kleine Sensation, dass jetzt eine Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau mit über 150 Gemälden und Zeichnungen der Ikone des Surrealismus aufwarten kann. 56 Jahre nach dem Tod der Künstlerin ist dies die größte Frida-Kahlo-Schau, die je in Deutschland gezeigt wurde. Die sinnliche Intelligenz und persönliche Bewältigung ihres Lebensleids hat viele fasziniert. 1925 begann Frida Kahlo zu malen, während der Rekonvaleszenz nach einem Busunfall, bei dem sie von einer Eisenstange durchbohrt wurde. Später trug sie ein Stützkorsett und packte ihre (Einsamkeits-) Gefühle in Bilder wie „Die zerbrochene Säule.“

Das Gemälde zeigt die Künstlerin mit eben jener zerbrochenen Wirbelsäule in der Haltung der indischen Göttin Parvati. Nägel verweisen auf die Untreue ihres Mannes, des Malers Diego Rivera, mit dem sie zweimal verheiratet war.

Es sind faszinierend persönliche Bilder voller Leidenschaft, Porträts und Stillleben, angesiedelt zwischen Neuer Sachlichkeit und Surrealismus zu bewundern. Beseelt von Sinnlichkeit und folkloristischem Witz reihen sie sich im ersten Obergeschoss des Museums wie Perlen an eine wunderschöne Kette.

Ihr letztes Selbstporträt von 1954 zeigt die Künstlerin kurz vor ihrem Tod im Alter von nur 47 Jahren als Sonnenblume sitzend vor einem Ofen, Symbol für das Ende und die verlorenen Hoffnungen. Es galt bislang als zerstört und ist jetzt erstmals zu sehen.

Mit nie Gesehenem wartet die von den Berliner Festspielen in Zusammenarbeit mit dem Kunstforum Wien/Bank Austria erarbeitete Ausstellung auch sonst auf. Rund 90 zum Teil unveröffentlichte Zeichnungen zeugen von einer autodidaktischen Könnerin voller Herz und Humor.

Fotos aus Familienbesitz, die ihre Großnichte Christina Kahlo ausgewählt hat, geben überdies Einblicke in das Leben der populären Ausnahmekünstlerin. Omnipräsent ist ihr selbstbewusster, mitunter waidwunder Blick aber auch auf vielen Gemälden, etwa dem 1940 entstandenen Selbstbilnis mit Dornenhalsband.

Es ist nur eines von über 60 Selbstbildnissen, einem Genre, das fast die Hälfte ihres Werks ausmacht. Der intensive Blick der tapferen Frau, die so viel über Liebe und Leid mitzuteilen wusste, verfolgt den Besucher noch, nachdem er die Schau verlassen hat.

Bis 9. August in der Niederkirchnerstraße 7, täglich von 10-20 Uhr. Infos unter: www.gropiusbau.de

Von Andrea Hilgenstock

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