Das Spohr-Ensemble eröffnete die Kammerkonzerte des Staatstheaters

Intensive Stimmungsbilder

Erhielten begeisterten Applaus: Christian Petersen (von links, Klavier), Joachim Schwarz (Viola), Wolfram Geiss (Violoncello), Andreas Lehmann (Violine) und Felicia Terpitz (Violine). Foto: Malmus

Kassel. Feurig impulsiv beginnt das berühmte Klavierquintett von Robert Schumann, doch bald wird die Musik lyrisch introvertiert. Die Ausführenden stehen vor der Grundsatzfrage: Sollen sie das Tempo allenfalls leicht drosseln und so den durchgängigen Elan betonen? Oder sollen sie mit einer markanten Entschleunigung den lyrischen Charakter hervorheben?

Für die romantische zweite Variante entschied sich das Spohr-Ensemble beim ersten Kammerkonzert des Kasseler Staatstheaters in der neuen Saison. Es war nur eines von vielen Beispielen für die detailreiche Charakterzeichnung, die an jenem Abend im ausgezeichnet besuchten Opernfoyer vorherrschte. Das Publikum erlebte - auf eindrucksvollem Niveau - gefühlvoll vibrierende Kantilenen von Cello und Geige, eine dunkle Rhetorik der Viola und ein klangschönes, im Lyrischen wurzelndes Klavierspiel.

Zum Auftakt horchten Wolfram Geiss (Violoncello), Andreas Lehmann (Violine) und Christian Petersen (Klavier) tief in die russische Seele mit Sergej Rachmaninows Trio élégiaque Nr. 1. Das interessante Frühwerk fiel durch stockende Verläufe und einen abgründigen Schluss auf. Verstärkt durch Joachim Schwarz (Viola), präsentierte das Ensemble dann eine ausdrucksstarke wie transparente Wiedergabe des Klavierquartetts Nr. 3 c-moll von Johannes Brahms.

Es ist ein finsteres Stück: Brahms, sonst eher zugeknöpft, hatte an seinen Verleger geschrieben: „Sie dürfen auf dem Titelblatt ein Bild anbringen, nämlich einen Kopf mit der Pistole davor. Nun können Sie sich einen Begriff von der Musik machen!“ Im zweiten Teil folgte - mit Felicia Terpitz am ersten Geigenpult - Schumanns Klavierquintett, in dem der zweite Satz intensive Stimmungsbilder zwischen Trauer und Aufhellung enthielt. Das Publikum applaudierte begeistert.

Von Georg Pepl

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