Konzert in Kassel

Interview: Helge Schneider über Nacktheit und einen Song für Hansi Hinterseer

Mit dem Gaga-Song „Katzeklo“ wurde Helge Schneider vor 20 Jahren berühmt, heute gehört der Musikclown aus Mülheim an der Ruhr zu den beliebtesten Komikern der Deutschen. Am 17. September tritt er in Kassel auf.

Sein Jubiläumsalbum „Live At Gruga Halle – 20 Jahre Katzeklo“ zeigt einen Künstler zwischen Dada und Gaga, der sich den Welthit „Mr. Bojangles“ zurechtschneidert und Beethovens Mondscheinsonate dekonstruiert.

Herr Schneider, für Ihre Tournee nennen Sie sich „Pretty Joe“. Zeigen Sie sich von einer anderen Seite? 

Helge Schneider: Nee, ich bin immer noch derselbe Helge. Aber ich lasse mir gern was einfallen. Gestern stieg ich aus der Wanne, hatte meinen Bademantel angezogen und dachte: „Wie wäre es, wenn die neue Show mit Musik von Carl Orff anfängt?“ Die Melodie, mit der Henry Maske immer aufgetreten ist.

Im Video „To Be A Man“ zeigen Sie sich nur mit einem Lendenschurz bekleidet. Hat diese Nacktheit eine Botschaft? So wie bei den Femen-Aktivistinnen, die barbusig gegen Putin protestieren? 

Schneider: Genau das sollte es sein: Protest. Wenn ich das mache, kräht allerdings kein Hahn danach. Wenn Justin Bieber es tut, dann ist das weltweit in allen Zeitungen und soll was ganz Dolles sein. .

Würden Sie dies auch auf der Bühne tun? 

Schneider: In dem Video trage ich eine zerschnittene Unterhose und eine Tasche. Im entsprechenden Rahmen würde ich es auch auf der Bühne tun. Es war ein Spiel, als Neandertaler rumzulaufen. Aber das Kostüm ist nicht so packend wie mein blauer Anzug. Er ist eine Maßanfertigung nach meinen Vorstellungen. Also viel zu klein eigentlich.

Nächstes Jahr werden Sie 60. Wie ist Ihr Lebensmotto? 

Schneider: Immer dazuzulernen. Auch außerhalb meiner Arbeit Leute zu beobachten. Auch im größeren Stil, also politisch. Sich für die Rolle der Politik, der Medien und des Internets in unserer Gesellschaft zu interessieren.

Wen sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel gucken? 

Schneider: Dann sehe ich so einen wildgewordenen Aufnehmer. So einen Mopp. Ich bin meistens ungekämmt.

Was fehlt der Popmusik von heute?

Helge Schneider: Live At Gruga Halle (Universal)

Auftritt in Kassel am 17. September, 20 Uhr, Stadthalle, Karten: 0561-203204.

Schneider: Humor. Sie könnte sich ein bisschen mehr selbst auf die Schippe nehmen. Das ist mir alles zu verkrampft. Seitdem Sade damals bei diesem Gassenhauer die zwei Akkorde in Moll gemacht hatte, habe ich das Gefühl, dass die Stilistik in der Popmusik gleich geblieben ist. Mir fehlen Leute wie The Who, die wirklich was zu sagen haben und das durch ihre Musik auch ausdrücken. Von mir aus auch die Beatles oder Rory Gallagher. Heute dreht es sich nur noch ums Aussehen von Sängern. Das ist alles so unselbstständig.

In Ihrem neuen Programm behaupten Sie, „Mr. Bojangles“ einst für Hansi Hinterseer geschrieben zu haben. Wie kam es, dass dieses Lied ein Welthit wurde? 

Schneider: Das ist irre. Schon Sammy Davies Jr. hat das Lied ganz fabelhaft gesungen. Deswegen habe ich „Mr. Bojangles“ irgendwann in mein Repertoire aufgenommen. Es kann sein, dass ich es für Hansi Hinterseer geschrieben habe. Weil er mal Skirennläufer war. Ich glaube, er kann heute noch ganz gut fahren. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er sich mit Skiern gut zu diesem Walzerrhythmus bewegen kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.