Interview mit Jan Josef Liefers zum heutigen ZDF-Krimi

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Jan Josef Liefers

Schauspielerin Jan Josef Liefers ist am Montag ab 20.15 im ZDF in dem Krimi "Der Mann ohne Schatten zu sehen". Im Interview erklärt der 50-Jährige, was die Zuschauer erwartet.

Seit 2002 spielt der gebürtige Dresdner Jan Josef Liefers den schnöseligen „Tatort“-Professor Karl-Friedrich Boerne in der ARD. Im ZDF ist der 50-Jährige heute im Krimi „Der Mann ohne Schatten“ (Regie: Carlo Rola) zum dritten Mal als Berliner Rechtsanwalt Joachim Vernau zu sehen.

Herr Liefers, für den neuen Krimi haben Sie auf Kuba gedreht. Fahren da wirklich so viele alte Ami-Schlitten herum und die Leute rauchen ständig dicke Zigarren, wie es dem Klischee entspricht? 

Jan Josef Liefers: Na klar. Und alle trinken unablässig Rum und tanzen Salsa, bis die Sonne aufgeht. Aber zugegeben: Mein Bild von Kuba stammte auch eher aus der Klischeekiste.

Und wie sieht die Wirklichkeit aus? 

Liefers: Die Realität erinnert nur noch entfernt an die untergegangene Kultur des Landes. Hemingway hatte mit der Revolution sympathisiert, man sieht ihn auf einigen Fotos zusammen mit dem jungen Fidel Castro und Che Guevara. Ich würde sagen, die Magie der Revolution ist inzwischen arg in die Jahre gekommen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und des sozialistischen Lagers ist Kuba recht isoliert und wirtschaftlich in einer prekären Lage. Wie die einfachen Menschen dort ihr Leben und das ihrer Familien bestreiten, grenzt manchmal an ein Wunder.

Kuba ist seit mehr als 50 Jahren ein sozialistisches Land. Hat Sie dort noch irgendetwas an die DDR erinnert? 

Liefers: Ja, einiges konnte ich problemlos wiedererkennen. Vieles kam mir in der DDR noch drastischer vor. Die Mentalität, das Wetter und die Musik auf Kuba sorgen dafür, dass die Menschen weitgehend gut gelaunt und gelassen ihr Schicksal ertragen.

Im Film geht es um altes DDR-Unrecht, das bis heute nachwirkt. Sind Sie zufrieden damit, wie die DDR-Vergangenheit  im Fernsehen aufgearbeitet wird?

Liefers: Die DDR und die Geschichte ihres Endes ist immer noch ein großes Thema. Zufriedenheit ist aber ein seltsames Wort im Zusammenhang mit Geschichtsschreibung. In unserem Film geht es primär um unmenschliche und rücksichtslose Machenschaften des DDR-Geheimdienstes. Die waren aber weltweit kein Alleinstellungsmerkmal der Stasi, sondern - wie wir inzwischen lernen mussten - beschämende Realität eines jeden einflussreichen Geheimdienstes.

Es ist Ihr dritter Einsatz als Joachim Vernau. Wird die Reihe, die auf Vorlagen von Bestsellerautorin Elisabeth Herrmann basiert, danach weitergehen? 

Liefers: Momentan ist geplant, jedes Jahr einen neuen Vernau-Krimi zu drehen, die grundsätzlich auf den Romanen von Elisabeth Herrmann beruhen sollen, aber zunehmend auch durch Fälle ergänzt werden sollen, die Herrmann speziell für Filme entwickeln wird.

Sie spielen im ZDF den coolen Vernau und im Ersten den pedantischen Professor Boerne. In welchem der beiden Typen steckt mehr von Ihnen persönlich? 

Liefers: Das ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich eher im Vernau, einfach, weil der weniger extravagant ist.

Mussten Sie als „Tatort“-Star die ARD um Erlaubnis fragen, im ZDF den Vernau zu spielen? 

Liefers: Nein. Aber es gab eine Übereinkunft mit der ARD, die ausschließt, dass ich einen Rechtsmediziner in einem anderen Krimi spiele. Damit schützt man den Professor Boerne vor Eigenkonkurrenz.

Der „Tatort“ erlebt zurzeit einen Höhenflug. Haben Sie Angst, dass das Zuschauerinteresse irgendwann nachlässt? 

Liefers: Nein, warum? Was sollte dann passieren? Der „Tatort“ hat schon einige Turbulenzen überstanden und ist eine starke Marke. Vielfalt und Originalität der verschiedenen Teams werden auch bei sinkenden Zuschauerzahlen genug Menschen unterhalten.

Verfolgen Sie das Twitter-Gewitter, das bei jedem „Tatort“ in Echtzeit tobt? 

Liefers: Manchmal. Und ich frage mich immer, wie man einem Krimi folgen und gleichzeitig fröhlich darüber twittern kann. Den Stress halte ich nie lange durch.

Von Cornelia Wystrichowski

Zur Person: Jan Josef Liefers (Filmfoto aus „Der Mann ohne Schatten“) kam 1964 in Dresden zur Welt. Er studierte Schauspiel in Berlin und spielte Theater, ehe ihm 1997 mit der Kinokomödie „Rossini“ der Durchbruch gelang. Seitdem zählt er zu den populärsten deutschen Schauspielern. Neben dem „Tatort“ ist er in Filmen wie „Der Turm“ oder der Kinokomödie „Honig im Kopf“ zu sehen. Liefers ist mit der Schauspielerin Anna Loos verheiratet, lebt in Berlin und hat zwei Kinder.

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