„Älter werden ist doch etwas Tolles“

Interview: Kabarettist Bernd Gieseking über Männer um die 50, um die es in seinem neuen Buch geht

Kassel. Es ist gar nicht so schlimm, 50 zu werden - das ist die Botschaft von Bernd Giesekings neuem Buch.

Sein dazugehöriges Bühnenprogramm „Gefühlte Dreißig - Ein Hoffnungskabarett für Männer um die Fünfzig“ stellt der Kabarettist an den nächsten Tagen in der Kasseler Caricatura vor. Wir sprachen mit dem Autor von saukomischen Büchern wie „Finne dich selbst“, der heute Geburtstag hat.

Laut Ihrem Buch fühlen Sie sich wie 30. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie trotzdem älter werden?

Gieseking: Das ist es ja - ich merke es kaum. Höchstens wenn ich beim Einchecken mein Geburtsjahr angeben muss. Älter werden ist eine Form von Reife und hat nicht unbedingt etwas mit dem biologischen Alter zu tun. Ich kenne ältere Menschen, die unglaublich jung und neugierig auf die Welt sind. Und es gibt junge Menschen, die alt und vernagelt sind.

Wie schlimm ist es, älter zu werden?

Gieseking: Gar nicht. Älter werden ist doch etwas Tolles. Das einzig Tragische daran, 50 zu werden, war für mich, dass ich mein Alter nicht mehr auf dem Lottoschein ankreuzen konnte. Ansonsten ist es sehr schön, mit zunehmender Erfahrung aufs Leben zu schauen. Jeder Tag ist ein Geschenk.

Ist Ihre Generation tatsächlich die der jüngsten 50-Jährigen, die es je gab, wie Sie schreiben?

Gieseking: Auf jeden Fall. Als ich jung war, waren Leute über 50 für mich uralt. Heute verwischen die Gegensätze zwischen den Generationen. Ich habe kaum Leute in meinem Bekanntenkreis, die sagen: „So, noch sieben Jahre bis zur Rente.” Die wollen alle weiterhin kreativ sein und Dinge bewegen. Die meisten haben so viele Pläne, dass sie gar nicht wissen, wohin damit.

Aber müssen Sie nicht auch manchmal schmunzeln, wenn Sie Opas und Omas sehen, die sich mit Kapuzenpullis und Chucks wie ihre Enkel kleiden?

Gieseking: Das ist doch völlig normal. Wir sind die Generation, die zum ersten Mal Kapuzenpullis und Chucks getragen hat. Es gibt keinen Grund, sie auszuziehen. Oft ist von der werberelevanten Zielgruppe die Rede, die mit 49 endet. Die Industrie interessiert sich nicht mehr für uns. Aber wer kauft denn die ganzen Produkte? Und wer gibt den 14-Jährigen ihr Taschengeld? Wir!

Ihre Generation hat nicht nur das Geld, sondern auch die Macht.

Gieseking: Stimmt. Wir 50-Jährigen prägen das Land. Gerhard Schröder war 53, als er Bundeskanzler wurde, Angela Merkel 51, als sie Regierungschefin wurde, und Joschka ebenfalls 51, als er Außenminister wurde. Mit 50 ist man auf dem Höhepunkt seiner geistigen Schaffenskraft, und der Körper ist noch vital. Wir haben noch mindestens 15 goldene Jahre vor uns. Ach, mehr! Mein 50. Geburtstag stand unter dem Motto: „Hälfte rum!“

Man könnte aber auch sagen: Mit 50 geht es bergab. Sie schreiben, alles werde weniger, wenn man älter wird, nur die Zahnzwischenräume würden größer. Was hat Sie an Ihrem Körper mit zunehmenden Alter am meisten überrascht?

Gieseking: Im Training bin ich nicht mehr so schnell wie früher. Die Kilos gehen schneller rauf und schwerer runter. Und es zwickt auch mal im Knie. Das war es schon.

Wie ist es mit dem Sex?

Gieseking: Je älter man wird, desto mehr kommt man weg vom sportlichen Leistungsdruck. Man genießt mehr beim Sex.

Können Männer genauso gut über sich lachen wie Frauen?

Gieseking: Laut Umfragen tun sich Männer mit Selbstironie etwas schwerer. Ob Frau oder Mann: Mit „Gefühlte Dreißig' will ich zeigen, dass wir 50-Jährigen zwar schon einiges hinter uns, aber auch noch eine Menge vor uns haben. Vor einigen Jahren stand ich mit einem Glas Rotwein in Minden auf einem Steg und dachte darüber nach, was ich noch nie im Leben gemacht habe. Zum Beispiel war ich noch nie mit Klamotten in einen Fluss gesprungen. Also bin ich in die Weser gehüpft. Es war toll.

Bernd Gieseking: Gefühlte Dreißig - Ein Hoffnungsbuch für Männer um die Fünfzig. Fischer Taschenbuch, 256 Seiten, 12,99 Euro.

Bernd Gieseking live: Donnerstag und Freitag, 19.30 Uhr, Caricatura im Kasseler Kulturbahnhof, Rainer-Dierichs-Platz 1. 

www.caricatura.de

Zur Person:

Geboren: am 7. Oktober 1958 in Minden Ausbildung: zum Zimmerer, Kunst- und Theologiestudium in Kassel Beruf: Kabarettist Privates: Lebt in Dortmund und hat noch ein WG-Zimmer in Kassel, seine Freundin wohnt in Hannover.

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