Interview: Komiker Atze Schröder erklärt, wie man richtig fremdgeht

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Atze Schröder (50), der Mann mit dem Lockenkopf und der Porno-Brille geht mit seinem Programm „Richtig Fremdgehen“ in die Tour-Verlängerung. Am 19. Februar macht er in der Kasseler Rothenbachhalle Station.

Herr Schröder, Sie wollen in Ihrer Show Paare aufs Fremdgehen vorbereiten. Das setzt ja voraus, dass Sie mehr wissen, als Ihre Zuschauer. Verfolgen Sie einen Bildungsauftrag?

Atze Schröder: Ich bin absolut der Meinung, dass alle treu sein sollen. Wenn Treue Spaß macht, ist es Liebe. Aber ich habe herausgefunden, dass viele Menschen fremdgehen und wenn man das schon macht, dann richtig.

Woher wissen Sie denn, dass viele Menschen fremdgehen?

Schröder: Auf meiner Tour bin ich häufig in Hotels, da kriegt man schon einiges mit. Außerdem habe ich mich für die Recherche auf Seitensprung-Portalen angemeldet und Sie glauben gar nicht, was da alles los ist. Sie und ich sind die letzten Treuen.

Die aktuelle Show ist ja die bislang erfolgreichste - wenn man davon ausgeht, dass es am Thema liegt, wie erklären Sie sich das Interesse daran?

Schröder: Ich versuche immer den Zeitgeist zu treffen und in diesem Fall scheint mir das gelungen zu sein. Am Anfang des Programms habe ich versucht, mal herauszufinden, warum die Leute fremdgehen und das wurde sofort bitter. Da habe ich dann lieber die Finger von gelassen. Aber ich bin ja nun mal auch Komiker und kein Paartherapeut. Jetzt greife ich es nur am Ende des Programms auf und sage, Leute, fahrt doch einfach nochmal in den Wald, selbst wenn ihr verheiratet seid. Da sehe ich immer die Gesichter der Männer, die mir sagen: Ach Schröder, halt doch den Mund.

Wie geht man richtig fremd?

Schröder: Nichts verraten. Wenn man erwischt wird, alles abstreiten und sagen: Schatz, gut dass du kommst, hier hätte Gott weiß was passieren können! Das Wichtigste ist: Es muss sich lohnen. Man muss als Großmutter vor den Enkelkindern stehen und grinsen, wenn man an das Ereignis vor 40 Jahren zurückdenkt - mit Atze.

Wie stehen Sie zu Moral?

Schröder: Udo Jürgens hat mal gesagt: Fremdgehen ist keine Frage der Moral, sondern der Gelegenheiten. Moral ist ja sehr subjektiv. Am wichtigsten ist doch, dass man sich selbst treu bleibt.

Sind Sie denn ein typischer Mann, wenn es den denn gibt?

Schröder: Auf der Bühne schon. Da bin ich der Macho. Privat würde ich mich eher als feministischen Macho bezeichnen. Ein Mann muss die Stärke haben, dass eine Frau sich anlehnen kann, ohne dass er ein Macho ist. Ich sage auch auf der Bühne zu den Männern, sie sollen ihre Frauen gut behandeln. Denn ist die Katze gesund, freut sich der Mann.

Das könnte als Diskriminierung verstanden werden.

Schröder: Ja, Comedy ist immer polarisierend. Und polarisieren heißt, Unterschiede zu machen. Wir leben in einer Zeit, in der Political Correctness immer enger gefasst wird. Wir stehen kurz vor einer Helmpflicht für Nichtraucher. Da ist es doch wichtig, dass der Komiker auf der Bühne mal Grenzen überschreitet.

Sie leben ja mit Ihrer Freundin in einem Haus im Münsterland. Wie halten Sie es denn mit Treue und Familienleben?

Schröder: Wir sind seit 29 Jahren zusammen und lachen sehr viel miteinander. Mein „Es“ tobt sich auf der Bühne als Atze Schröder aus.

Atze Schröder: „Richtig Fremdgehen“, Freitag, 20 Uhr, Rothenbachhalle Kassel. HNA-Kartenservice Tel. 0561-203 204.

Zur Person

Geboren: am 27. September 1965 in Essen als Thomas Schröder Ausbildung: zum Tanzlehrer, abgebrochenes Soziologiestudium - laut fiktiver Biografie Bühnenkarriere: begann 1995, fünfmal Gewinner des Deutsches Comedypreises Privates: lebt mit Freundin im Münsterland, alles andere ist geheim

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